sábado, 25 de marzo de 2017

Massengräberfund in Veracruz - Mexiko

Ein Grab, wie es über 30.000 gewaltsam Verschwundene in Mexiko nicht haben. 


Hügel des Todes

Im mexikanischen Bundesstaat Veracruz haben Angehörige gewaltsam Verschleppter 125 Massengräber gefunden. Sie gelten als Vermächtnis des mafiösen ehemaligen Gouverneurs Javier Duarte und offenbaren einmal mehr die Abwesenheit eines Rechtsstaats in Mexiko.


von Kathrin Zeiske

 

Wenn eine Mutter über Jahre keine Spur von ihrem verschleppten Sohn hat, kann eine Ortsskizze mit Markierungen ein Geschenk des Himmels sein – selbst wenn es direkt aus der Hölle kommt. Eine solche Karte wurde dem Angehörigenkollektiv Solecito im Mai vergangenen Jahres von Kartellmitgliedern in die Hände gespielt. Die Kreuze auf dem Papier stehen für 125 Massengräber auf einem Gelände nördlich der Hafenstadt Veracruz, bekannt als Colinas de Santa Fé (Hügel von Santa Fé). Begleitet von der Staatsanwaltschaft hat das Kollektiv dort seit August 253 Leichen und fast 10 000 Knochen sichergestellt.

Staatsanwalt Jorge Winckler gab vor der Presse an, Veracruz sei für ihn »ein einziges gigantisches Massengrab« und bei der Ansammlung menschlicher Überreste in Colinas de Santa Fé handele es sich um »vielleicht das größte Massengrab Mexikos«. Die Zahl der gefundenen Leichen übersteige die Kapazitäten der lokalen Forensiker und Leichenschauhäuser, so dass einige Gräber noch gar nicht ausgehoben wurden. Winckler zufolge habe die Regierung des ehemaligen Gouverneurs Javier Duarte im Bundesstaat Veracruz die Familienangehörigen von Verschwundenen systematisch hinters Licht geführt; ihnen entnommene DNA-Proben seien nicht zur Identifizierung von Toten verwendet worden.

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miércoles, 7 de diciembre de 2016

Frauenmorde in Ciudad Juarez

Familienangehörige vor menschlichen Überresten im Juareztal.  

Getötet aus Hass

 

Anfang der 1990er Jahre begann im mexikanischen Ciudad Juárez eine nicht abreißende Serie von Hassmorden an Frauen. Erstmals wurde von »Femiziden« gesprochen. Ein Vierteljahrhundert später ist das Phänomen in ganz Mexiko und Lateinamerika verbreitet. Denn Machismo und Frauenhass, gepaart mit Drogenhandel und Straflosigkeit, bilden eine tödliche Mischung. In der Grenzstadt Juárez gelten Femizide unterdessen immer noch als traurige Konstante. Ein bahnbrechendes Gerichtsverfahren soll dabei helfen, die mörderischen Strukturen auszuhebeln. 

 

Von Kathrin Zeiske

 
Auf der Juárezallee im Stadtzentrum gehen die Lichter an. Menschen flanieren an Wechselstuben und Souvenirläden vorbei und genießen die abkühlenden Temperaturen nach Sonnenuntergang. Direkt vor der Grenzbrücke zu den USA steht ein massives rosa Holzkreuz voll rostiger Nägel und erinnert an die toten Frauen der mexikanischen Metropole. Die Fassaden der umliegenden Häuser wurden im letzten Jahr einheitlich weiß gestrichen. Einst waren sie gepflastert von den Suchplakaten der noch immer über 370 verschwundenen Mädchen. Die Stadtregierung hat das Plakatieren verboten. Das Image der Wirtschaftsmetropole, die von Investitionen lebt, soll nicht von Negativschlagzeilen beeinträchtigt werden. Dabei ist die Innenstadt mit den Straßenständen, an denen Gebrauchtwaren aus den USA feilgeboten werden, mit familiären Restaurants, heruntergekommenen Bars und schummrigen Clubs genau der Ort, wo viele verschwundene Frauen zum letzten Mal gesehen wurden. 

Susana Montes kennt diese Straßenzüge in- und auswendig. Sie suchte ihre Tochter Guadalupe dort viele Monate lang ohne Unterlass. Ein Mädchen mit kindlichen Pausbacken, einem freundlichen Lächeln und neckisch blickenden Augen unter schwarzen Ponysträhnen. Voller Träume vom Leben, das noch vor ihr lag. Guadalupe war 17 Jahre alt, als sie an einem Januartag vor sieben Jahren im Zentrum Turnschuhe kaufen ging und nicht zurückkehrte. Für Susana Montes begann ein Kampf zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Endlose Tage, schlaflose Nächte, Woche um Woche.


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lunes, 5 de diciembre de 2016

Neun Monate nach dem Mord an Berta Cáceres

Demonstration in Tegucigalpa für die Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres

Projekte des Todes

Nach dem Mord an Berta Cáceres muss der Bau des Staudamms Agua Zarca gestoppt werden.
 
Von Kathrin Zeiske

Am 3. März 2016 wurde in Honduras die renommierte Umweltaktivistin Berta Cáceres umgebracht. Die indigene Feministin kämpfte seit Jahrzehnten gegen Rassismus, Machismus, Megaprojekte und Militarisierung und war eine wichtige Stimmeim Widerstand gegen den Putsch, der den gewählten Präsidenten Manuel Zelaya im Jahr 2009 aus dem Amt vertrieben hat. Der Kampf gegen ein Staudammprojekt, an dem auch die deutsche Siemens AG indirekt beteiligt ist, kostete sie schließlich das Leben. Das Verbrechen stellt erneut die Verträglichkeit von Energie- und Bergbauprojekten mit Menschenrechten und indigenen Rechten infrage. Der Mord löste weltweit große Empörung aus. Doch auch neun Monate danach gibt es keine Aufklärung. Eine unabhängige internationale Untersuchungskommission soll nun ermitteln, inwieweit in den Mord an Berta Cáceres hohe politische, wirtschaftliche und militärische FunktionärInnen in Honduras verwickelt sind und inwieweit ausländische Firmen und Banken Verantwortung tragen. Es ist an der Zeit, dass die deutsche Bundesregierung ihre Politik in Honduras von Grund auf überdenkt und die deutschen Konzerne die Verantwortung für ihre Aktivitäten übernehmen.


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jueves, 4 de agosto de 2016

Frauenmorde und sexualisierte Gewalt in Mexiko

Aktion gegen Frauenmorde in Ciudad Juárez

Kathrin Zeiske

«Wir wollen uns lebend»

Landesweite Bewegung gegen sexualisierte Gewalt in Mexiko


Jeden Tag werden in Mexiko sieben Frauen umgebracht und fast 70 Frauen vergewaltigt. Unter dem Motto #Vivasnosqueremos – «Wir wollen uns lebend» – fanden deshalb am 24. April 2016 in über 40 Städten des Landes Demonstrationen gegen die ausufernde sexualisierte Gewalt statt und sorgten für eine breite Medienresonanz. Initiativen, Organisationen und AktivistInnen prangern seit Jahresn nicht nur machistische Gesellschaftsstrukturen, sondern auch die Mitschuld der Regierung an. Denn trotz der alarmierenden Anzahl von Morden an Frauen werden seit einem Vierteljahrhundert keine Maßnahmen ergriffen, um der Straflosigkeit ein Ende zu setzen. Kampagnen in den sozialen Medien ermutigen Frauen aktuell dazu, angesichts von Missbrauch und Gewalt nicht zu schweigen. Ähnlich vergangenen Sexismus-Debatten in Deutschland (#Aufschrei) wurde dadurch eine gesamtgesellschaftliche Diskussion in Gang gesetzt.

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lunes, 1 de agosto de 2016

Weiblicher Hiphop Guatemala

Rebeca Lane, Foto: Rotmi Enciso, Producciones y Milagros

Kriegerin des HipHop

Die Guatemaltekin Rebeca Lane ist eine lautstarke Stimme gegen Frauenmorde und für Frauenrechte

Rebeca Lane ist der Star einer neuen weiblichen HipHop­Szene in Lateinamerika. Doch der Aktivistin aus Guatemala genügt die Bühnenpräsenz nicht - sie will vor allem eins: Frauen und Mädchen stärken.

 

Von Kathrin Zeiske

Auf einmal war sie da. Eine zierliche Frau mit wilden Locken, tätowiert, in indigenen Röcken, bewaffnet mit einem Sturmgewitter an Texten, die unter die Haut gehen. Dank Rebeca Lane steht Guatemala seit Neuestem für richtig guten HipHop. Noch vor wenigen Jahren war die Soziologiestudentin als Fan und Freiwillige bei Events in der Szene unterwegs. Als sie selbst anfing zu rappen, ging auf einmal alles sehr schnell. «Ich kam kaum noch hinterher, Texte zu schreiben», erinnert sich Lane, auf deren Finger die magischen Buchstaben tätowiert sind: H.I.P.H.O.P. Und der wird groß geschrieben, genau dort, in Guatemala-Stadt, wo sie lebt und aufgewachsen ist. Diese Metropole mit zerfallenen Art Deco-Bauten zwischen Busabgasen und Straßenständen im Zentrum, ausgedehnten marginalisierten Vierteln an plötzlich abfallenden Schluchten und gutsituierten Wohneinheiten hinter Zäunen und Wächterschranken.

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jueves, 23 de junio de 2016

Regionalwahlen in Mexiko - PRI R.I.P.

Die institutionalisierte Gewalt

Bei den Regionalwahlen in zwölf Bundesstaaten Mexikos hat die langjährige Regierungspartei PRI eine Niederlage einstecken müssen. Die mexikanische Bevölkerung ist der ausufernden Korruption und Gewalt überdrüssig.

von Kathrin Zeiske
Massengräber, Verschwundene, Frauenmorde, Entführungen, Erpressungen, Straflosigkeit – in Mexiko sind viele Menschen der Gewalt müde. Und auch einer politischen Führungsschicht, die an die Macht strebt, um öffentliche Gelder auf ihr Privatkonto zu verfrachten. Bestes Beispiel ist der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) selbst, der gemeinsam mit seiner Ehefrau der Bevölkerung ein Luxusleben vorführt. Die Wahlsiege oppositioneller Gouverneure in sieben von zwölf Bundesstaaten, in denen am 5. Juni gewählt wurde, sind demnach auch eine Absage an Peña Nietos »Königsmodell«. »Mirrey« (Mein König) ist in Mexiko ein populärer Begriff für einen aalglatten, reichen Schönling, und »Virrey« für den Vizekönig, Alleinherrscher im kolonialen Mexiko vor den demokratischen Errungenschaften der Unabhängigkeit (1810) und der Revolution (1910). Peña Nieto ist für beides exemplarisch.

Vor den Präsidentschaftswahlen von 2012 konnte der vormalige Gouverneur des Bundesstaats México, einer PRI-Hochburg, mit allem aufwarten, was in Mexiko für einen Wahlgewinn nötig ist: Millionensummen aus privater, öffentlicher und krimineller Kasse für den Wahlkampf, dem Rückhalt der in der »Grupo Atlacomulco« organisierten Parteieliten und dem Sender Televisa als Propagandaplattform. Hinzu kamen eine mediale Kampagne gegen seinen linken Gegenkandidaten Andrés Manuel López Obrador sowie Angélica Rivera als neue Gattin an seiner Seite, einer aus Telenovelas bekannten Schauspielerin.

Dem Modell eines despotisch regierenden, charismatischen Herrschers folgten auch eine ganze Reihe PRI-Gouverneure, die nun ihre Macht nicht weitergeben können. Dabei gestaltete die Partei ihren Wahlkampf nach den bewährten Prinzipien: viel Geld, mediale Kontrolle, Stimmenkauf. »Aber diesmal hat es für den PRI nicht funktioniert«, schreibt Jenaro Villamil im mexikanischen Politmagazin Proceso. Verantwortlich macht er dafür die ­tiefe Ablehnung der offenkundigen Korruption, Manipulation, Straflosigkeit und kriminellen Machenschaften von Gouverneuren wie Javier Duarte in Veracrúz.

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martes, 14 de junio de 2016

Mord an Berta Cáceres in Honduras

Berta Cáceres (li.) und Dona Pasqualita Vázquez (COPINH)

Tod einer Ikone

In Honduras ist die prominente Aktivistin Berta Cáceres erschossen worden. Ihre Anhänger machen eine Baufirma dafür verantwortlich.
 
Von Kathrin Zeiske

Die Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres wurde in der Nacht des 3. März 2016 in ihrem Haus in der Kleinstadt La Esperanza umgebracht. Auftragsmorde kommen in Honduras häufig vor, rund 250 US-Dollar sind das gängige Honorar. 25 Millionen US-Dollar soll hingegen der geplante Staudamm "Agua Zarca" pro Jahr an Gewinn abwerfen, so die Hoffnung der honduranischen Betreiber und internationalen Geldgeber. Berta Cáceres hatte gegen das Projekt drei Jahre lang erfolgreich Widerstand geleistet. Unzählige Male wurde sie deshalb mit dem Tode bedroht.

Dabei schien Berta Cáceres beinahe unsterblich, so viele Attacken hatte sie bereits überlebt. In Jeans, T-Shirt und Wanderstiefeln, mit einem freundlichen Lächeln und klugen Augen unter schwarzen widerspenstigen Locken, kämpfte sie gegen Landraub, Rassismus und Machismo. Unverkennbar ihre dunkle Stimme, mit der sie Ex-Präsident Mel Zelaya genauso fest ermahnte, die Rechte der Indigenen zu achten, wie sie Frauen aus entlegenen Gemeinden ans Herz legte, gegen häusliche Gewalt selbst aktiv zu werden.

"Authentisch" ist der Begriff, den viele Menschen in Honduras nennen, um Berta Cáceres zu beschreiben. Ihr Kampf für Demokratie, Umweltschutz und Menschenrechte brachte ihr im Jahr 2012 den Eichstätter Shalompreis ein, drei Jahre später den Goldman-Preis, die weltweit wohl renommierteste Auszeichnung für Umweltaktivisten.

Der Mord an Berta Cáceres ist bislang ungesühnt. Ihre Töchter kämpfen für die Aufklärung der Tat. Die jungen Frauen, die wegen der ständigen Drohungen gegen die Familie im Ausland studieren, beharren auf einer unabhängigen Untersuchungskommission unter Beteiligung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, die vergeblich Polizeischutz für Cáceres gefordert hatte.

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