miércoles, 20 de junio de 2018

Guatemala - Prozess wegen Massaker an 56 Mädchen

 
Familienangehörige der ermordeten Mädchen bereiten eine Mayazeremonie zu ihrem Gedenken vor.

Kein Sicheres Zuhause

Brand im Mädchenheim

In Guatemala fanden vor einem Jahr 41 Mädchen bei einem Brand in einem staatlichen Kinderheim den Tod; 15 weitere überlebten mit schwersten Verbrennungen. Angehörige und Aktivistinnen sprechen von einer Hinrichtung. Kathrin Zeiske berichtet von dem Prozess gegen die Verantwortlichen, der seit Dezember 2017 in Guatemala Stadt läuft.


Pressevertreter, Familien­angehörige und Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen drängen sich in Saal Nr.2 des Justizpalastes von Guatemala. Die Fensterfront des Raumes im 11. Stockwerk bietet einen atemberaubenden Blick über die Hauptstadt. Eine martialische Käfigkonstruktion für Drogenbosse links des Richters bleibt an diesem 7. März 2018 leer. Die Angeklagten Unterinspektorin Lucinda Marroquín und Polizeieinsatzleiter Luis Armando Pérez nehmen zusammen mit ihren Rechtsbeiständen davor Platz. Sie stehen gemeinsam mit den verantwortlichen Funktionären vor Gericht; dem Staatsanwalt für Kinderrecht Harold Flores, der Heimpsychologin Brenda Chamán und der Kinderbeauftragten der Menschenrechtsstaatsanwaltschaft Gloria Castro. Die Rechtsanwältin der Opfer, Estela Funes, erläutert an diesem Morgen minutiös, was sich vor einem Jahr, am 7. und 8. März 2018, im staatlichen Kinderheim „Hogar Seguro" ("Sicheres Zuhause") ereignete. 

In der staatlichen Einrichtung, in der vor allem Kinder und Jugendliche untergebracht waren, die in ihrem Lebensumfeld Gewalt und Missbrauch erfuhren, stand schon Jahre vor der Katastrophe vom 8. März 2018 immer wieder im Fadenkreuz von Ermittlungen: Überbelegung, Misshandlungen und Vergewalti­gun­gen waren bekannt geworden. 2016 hatte die guatemaltekische Staats­anwaltschaft für Menschenrechte die Schliessung gefordert. Sie vermutete einen Kinderhandelsring mit Verbindungen ins Prostitutionsmilieu hinter den Mauern der Anstalt. Doch es passierte nichts. Schließlich waren es die Jugendlichen selbst, die aufbegehrten und sich die alltäglichen Demütigungen und Misshandlungen nicht mehr gefallen liessen.


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jueves, 17 de mayo de 2018

Mexiko - Alter in Ciudad Juárez


Das Altenheim Mi Esperanza liegt ausserhalb der Stadt, am Rande der Wüste (Foto: Carolina Rosas Heimpel)

Die Alten von Ciudad Juárez wehren sich


Senioren in der mexikanischen Industriemetropole schaffen sich mit Hausbesetzungen Perspektiven

Von Kathrin Zeiske, Ciudad Juárez

Die Aktion wurde einen Tag vorher über die sozialen Medien angekündigt. »Wir besetzen ein Haus.« Am nächsten Morgen hatte sich ein Dutzend freiwillige Helfer mit Besen, Schaufeln und Schubkarren eingefunden, um das leer stehende Gebäude von Schutt und Müll freizulegen. Doch keine jungen Punks beanspruchen das große grüne Eckhaus mit den knorrigen Pinien davor für sich. Es ist eine Handvoll Menschen mit weißen Haaren und sonnengegerbten Gesichtern, manche von ihnen mit Gehstock in der Hand. »Wir wollen ein Tageszentrum mit Aktivitäten für alte Menschen schaffen; eine Anlauf- und Beratungsstelle«, erklärt die Aktivistin Eva Ronquillo und wischt sich mit einem Tuch den Schweiß aus dem Gesicht. Über den Eingang haben die Alten ein Banner gehängt. »Veterania existe«, (Alter existiert) nennen sie ihre Initiative.

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jueves, 10 de mayo de 2018

Mexiko - Zur Schule in die USA

Die Schwesterstädte Ciudad Juárez/Mexiko und El Paso/USA. Ein Wandgemälde des Künstler*innenduos Lxs Dos.

Über die Grenze
Santiago geht in den USA zur Schule, lebt aber in Mexiko. Er muss jeden Tag von einem Land ins andere fahren. Das ist gar nicht so einfach.
Von Kathrin Zeiske 

Als Santiago das Haus verlässt, wird es eben hell. Es ist kurz vor halb sechs, draußen ist es noch kühl. Santiago fröstelt in seiner Schuluniform. Aber er muss los. An den Grenzbrücken wird es wieder einen langen Stau geben, das hat sein Vater auf dem Handy gesehen. Den heißen Kakao vom Frühstück hat Santiago in einen Plastikbecher umgefüllt. Schnell steigt er zu seinem Vater ins warme Auto. 

Santiago ist zwölf Jahre alt. Er lebt mit seiner Familie in Ciudad Juárez. Das ist eine Stadt ganz im Norden von Mexiko, nahe der Grenze zu den USA. Auf der anderen Seite der Grenze liegt die Stadt El Paso, die zum amerikanischen Bundesstaat Texas gehört. Dort befindet sich Santiagos Schule. Zwar gibt es auch in Mexiko Schulen. Santiagos Eltern glauben aber, dass ihr Sohn eine bessere Zukunft hat, wenn er in den USA lernt. Deshalb fährt sein Vater ihn jeden Morgen dorthin. Eigentlich müssen sie dafür nur den Río Bravo überqueren,den Fluss, der die beiden Länder trennt. Doch das geht nicht so einfach. Das Ufer des Flusses ist von hohen Stacheldrahtzäunen gesäumt. Unentwegt fahren Grenzpolizisten in Jeeps daran entlang. Und es gibt nur drei Brücken. Auf eine davon steuert Santiagos Vater jetzt zu.

Ein Text, der im Zeit Leo Magazin für Kinder erschienen ist und hier als Unterrichtsmaterial heruntergeladen werden kann...

martes, 10 de abril de 2018

Guatemala - Kollektiv unterstützt die Mütter nach Hinrichtungen im Heim

 
Gemälde der verbrannten Mädchen stehen am Jahrestag des Brandes vor dem Kinderheim "Sicheres Zuhause"

 

Sprachrohr der verzweifelten Mütter

Stef Arreaga über den Beistand für die Angehörigen und Überlebenden des abgebrannten Kinderheims in Guatemala 

 

Der 8. März 2017 ist in Guatemala unvergessen. Damals fanden 41 Mädchen bei einem Brand in einem staatlichen Kinderheim den Tod. Das Frauenkollektiv Ocho Tijax steht ihren Müttern bei. Mit der Aktivistin Stef Arreaga sprach Kathrin Zeiske für »nd«.

 

Was ist vor einem Jahr im Kinderheim »Hogar Seguro« passiert?

Das Kinderheim stand schon lange im Fokus der Ermittlungen, es soll dort Überbelegung, Misshandlungen, Vergewaltigungen und Kinderverkäufe in die Prostitution gegeben haben. Doch die Behörden reagierten nicht. Als sich die Jugendlichen auflehnten und flohen, wurden sie von einer Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei gejagt, niedergeschlagen und eingekesselt. Zurück im Heim wurden 56 Mädchen über Nacht in einem kleinen Raum eingepfercht - ohne die Möglichkeit, zum Klo zu gehen. Sie legten Feuer, doch niemand öffnete ihnen. Neun Minuten lang schrien sie um Hilfe. Die Polizistin, die den Schlüssel hatte, sagte Zeugen zufolge »Lasst sie brennen, diese Hurentöchter.« Es waren Mädchen, die sich wegen Gewalt- und Missbrauchserfahrungen in staatlicher Obhut befanden. 41 Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren verbrannten.

 

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viernes, 23 de marzo de 2018

Guatemala - Massaker im Kinderheim


 
Angehörige bei einer Gedenkveranstaltung vor dem Hogar Seguro

Tod im Sicheren Zuhause


In Guatemala fanden vor einem Jahr 41 Mädchen bei einem Brand in einem staatlichen Kinderheim den Tod, 15 weitere überlebten schwerverletzt. Sie hatten versucht, sexuellem Missbrauch und Gewalt zu entfliehen. 

 


Von Kathrin Zeiske

Rosa María Tobar steht die Armut ins Gesicht geschrieben. Ihre Zähne sind verfault, ihre Kleidung ist abgenutzt. Das wenige Geld, das sie bei sich trägt, hat sie in ihrem BH versteckt. Sie ist in einem von Nonnen geleiteten Waisenhaus groß geworden. Als sie nach einem schweren Unfall vor eineinhalb Jahren ihre jüngste Tochter Rosa Espino nicht mehr versorgen konnte, glaubte sie diese in einem staatlichen Kinderheim geschützt vor Hunger und Gewalt. Denn die Jugendbanden sind in ihrem Viertel allgegenwärtig. Ihre Tochter nahm immer wieder mit einer Freundin Reißaus. »Es war der größte Fehler, den ich als Mutter begangen habe. Tot haben sie sie mir zurückgegeben«, sagt Tobar.


An den Besuchstagen, so erzählt ­Tobar, habe ihr ihre Tochter hinter vorgehaltener Hand berichtet, was im Hogar Seguro (Sicheren Zuhause) geschehe: dass die Mädchen vom Wachpersonal im Heim vergewaltigt würden; dass man sie nachts abhole und mit Kapuze über dem Kopf wegführe, sie bei ihrer Rückkehr verprügele und einschüchtere. Rosa Espino flehte ihre Mutter an, sie dort herauszuholen. Doch der Termin vor der Jugendrichterin verzögerte sich, während sich die Ereignisse im Heim überschlugen.

 

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jueves, 15 de marzo de 2018

Mexiko - Femizide in Ciudad Juarez



Stencil auf dem Universitätscampus von Ciudad Juarez

Alltag in der Stadt der Frauenmorde

Von Sucheinsätzen, Sicherheitszonen und Selbstschutz von Frauen in der mexikanischen Grenzmetropole Ciudad Juárez

Ciudad Juárez erlangte einst traurige Berühmtheit durch Frauenmorde. Als der„Krieg gegen die Drogen“ die Grenzstadt überzog, geriet der Femizid in Vergessenheit. Doch tatsächlich hat er nie aufgehört. Angehörige suchen in der Wüste nach den Überresten ihrer Töchter; in der Stadt kleben stets neue Suchplakaten nach verschwundenen Mädchen und Frauen. Machismus und Straflosigkeit bleiben bestehen, auch wenn Initiativen Erfolge verzeichnen. 

 

Von Kathrin Zeiske

 

Den größten Teil des Jahres existiert der Navajobach gar nicht. Nur im September, wenn es selbst in der Wüste regnet, füllt sich sein Flussbett mit Wasser. Dann bahnt er sich seinen Weg von der Sierra de San Isidrio bis hinunter ins Juáreztal. Manchmal schwemmt der Fluss dann Knochen mit. Denn der Navajobach ist ein offenes Grab. Vor fünf Jahren scheute dort ein Pferd vor einem ausgeblichenen Schädel. Und was Angehörige von in Ciudad Juárez verschwundenen Mädchen lange vermuteten, wurde zur düsteren Wahrheit. Die Fälle hingen zusammen, die Toten, die sich in den letzten Monaten ihres Lebens manchmal von Weitem sahen, hatten hier, rund 40 Kilometer von der Stadt entfernt, ein gemeinsames Grab gefunden. Idalí, Perla, Lizbeth, Beatriz, Deysi, Andrea, Mónica, Jessica, Yazmín, Leticia und Guadalupe konnten anhand von DNA-Proben zweifelsfrei identifiziert werden.

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miércoles, 7 de marzo de 2018

Honduras - Kindheit auf der Strasse

Blick über Tegucigalpa. Rund 10.000 Kinder leben in der Hauptstadt von Honduras und seiner Wirtschaftsmetropole San Pedro Sula auf der Strasse.

 

Das schwere Los der Straßenkinder


Casa Alianza unterstützt seit 28 Jahren obdachlose Kinder und Jugendliche in Honduras

Von Kathrin Zeiske

Ein Leben auf der Straße ist gekennzeichnet vom täglichen Überleben ohne die Sicherheit der »eigenen vier Wände«. Gerade für Kinder und Jugendliche birgt die Straße zahlreiche Gefahren, Risiken und Entbehrungen. Gleichzeitig kann sie aber auch ein Zufluchtsort vor Gewalt und Hunger sein.

»Straßenkinder werden durch die Diffamierung der Gesellschaft einmal mehr zu Opfern«, so José Guadalupe Ruelas, Direktor der Nichtregierungsorganisation Casa Alianza. Sie seien als »Vagabunden« und »Diebe« verschrien. »Dabei arbeiten die Kinder hart, um durchzukommen.« Manche Straßenkinder verdienten durch Betteln umgerechnet sieben Euro am Tag, also rund 140 Euro im Monat; immerhin die Hälfte des Mindestlohns in Honduras. »Aber von ihrem Tagesverdienst gehen sechs Euro an die Person, die ihnen den Platz «vermietet». Diese zahlt vier Euro an die Bande, die das Viertel beherrscht und diese wiederum gibt zwei Euro an die Polizei ab: ein krimineller und korrupter Kreislauf«, urteilt Ruelas.


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