miércoles, 24 de septiembre de 2008

DIE BOXERIN

Liebe Freundinnen & Freunde des Dojos!

Hier kommt ein blog fuer euch! :-) Ein bisschen lustiger, als die sonstigen Sachen, aber auch nicht richtig schmerzfrei...

Letzte Woche haben mich zwei Freundinnen von mir in der Herberge besucht, Gisel und Lorena, die beide in Tapachula wohnen, aber die Herberge bisher nicht kannten. Gisel hat auch gleich noch ihren Vater mitgebracht, der selbst Arzt ist, und mich ihm begeistert als ihre Wrestling-Freundin vorgestellt. Wie alle Besucher_innen, habe ich die drei durch die Herberge gefuehrt, ihnen Schlafraeume, Kueche, Praxis, Schule, Naehwerkstatt, etc. gezeigt und sie einzelnen Migrant_innen vorgestellt, z.B. Mario, von dem ihr im vorigen Blog lesen koennt. Dann wollten wir langsam zurueck Richtung Ausgang, als Dimas, ein kleiner Bandenangehoeriger, der im Rollstuhl sitzt und stets erfrischend direkt mit Forderungen ist, uns ruebergewunken hat: "He! Hier sind auch noch Kranke! Die muesst ihr auch besuchen!"



Also sind wir lachend zu ihm hin, und Gisel hat sich mit ihm ueber die Herkunft seines Namens unterhalten. Waehrenddessen fragt mich ihr Vater: "Und was ist mit ihm passiert?". Da ich ja noch nicht lang wieder hier bin und die meiste Zeit fiebrig Projektantraege am Computer schreibe, konnte ich ihm das gar nicht beantworten, und meinte: "Fragen wir ihn doch. Hey Dimas, warum sitzt du eigentlich im Rollstuhl?" - Und Dimas: "Ich wurde von einer Boxerin niedergeschlagen." - Drei Augenpaare richten sich augenblicklich auf mich. - Ich: "Oh... Oh! Das war ich nicht!" - Dimas erzaehlt waehrenddessen unbeeindruckt weiter, von einer Boxerin, die eine gute Freundin war und ihn in einen Nachtclub abgeschleppt hat... - Gisel: "Kathrin!" -Lorena:"Kathrin!" - Ich: "Ich weiss, das liegt jetzt nahe, aber ich war´s nicht!" ...und er sie kuessen wollte, und sie ihn zusammengeschlagen hat, und da der Untergrund nass war, er hintenueber mit der Wirbelsaeule auf einen Mauervorsprung gestuerzt ist. Gisels Vater: "Oh, dann war das ja bestimmt eine grosse Frau." - Dimas: "Jaja, ganz schoen gross!" - Gisels Vater, auf mich weisend: "Ah, so wie sie hier?" - Dimas: "Jaja, genau so gross!" Gisels Vater weicht langsam hinter seine Tochter zurueck. - Ich: "Also, ich war´s wirklich nicht!" - Dimas: "...ich hatte keine Chance; ausserdem hatte sie mich ja gezwungen, mit ihr zu trinken." - Gisel: "Kathrin!" - Lorena: "Kathrin!" - Ich: "Ich schwoere, ich war's wirklich nicht!" - Gisels Vater , mit vielsagendem Seitenblick auf mich: "Sowas. Und sie war eine Freundin?" - Dimas: "Ja, wir haben uns echt gut verstanden, und ich glaube, dass sie mich auch liebt... Noch immer liebt. Das spuehr ich", und greift sich dramatisch zur Brust. - Gisel: "Ach, Kathrin!" - Lorena: "Mensch, Kathrin." - Ich: "Ich war's doch nicht!" - Gisels Vater schiebt seine Tochter jetzt ganz zwischen uns...

--- Jaa, lustige und auch sehr tragische Geschichte, oder?
Was lernen wir daraus: Don´t mess around with female boxers!
Aber ich war´s uebrigens wirklich nicht. Auch wenn mein Ruf brachial gefestigt ist, und Geruechte in Tapachula herumwabern von meinen zu Krueppeln geschlagenen Ex-Freunden... Also liebe Gruesse, trainiert schoen & boxt niemanden in den Rollstuhl!

jueves, 18 de septiembre de 2008

SPENDEN



Meine lieben Verwandten!

Im September 2008 habe ich von euren Spenden verschiedene Samen gekauft, um einen Gemuesegarten hinter der Herberge anzulegen: Tomaten, Chilis, Zwiebeln, Karrotten, Zuccini, Radieschen, Rettich, Kreuzkuemmel (hier Zutat in jeder Guacamole und anderen Gerichten), Spinat und Erbsen. Damit werden wir den Speiseplan der Herberge anreichern. Im Allgemeinen versuchen wir, mehr und mehr autark und nachhaltig zu wirtschaften, um die Loehne des Teams und die Kosten fuer die Patient_innen in Zukunft eigenstaendig tragen zu koennen. Dafuer arbeiten wir an allen Ecken und Enden, in der Schneiderwerkstatt, zwei Kiosken vor dem Krankenhaus und im Abschiebegefaengnis und hoffentlich bald auch in der neu eingerichteten Baeckerei.

Ausserdem habe ich diesen Monat ein paar Migranten von eurem Geld ermoeglicht, bei ihren Familien anzurufen. Mario (19 Jahre alt, aus Honduras) ist gerade erst in der Herberge angekommen und hat vor drei Wochen seinen linken Fuss bei einem Zugunfall verloren. Er hat 12 Geschwister und lebt mit seiner Familie auf dem Land. Seine Eltern haben ihm gesagt, dass, wenn er es nicht schafft, bis in die USA zu kommen, er auf jeden Fall zu ihnen zurueckkommen soll. Das ist leider nicht selbstverstaendlich; viele Migrant_innen scheitern auf ihrem tausende Kilometer weiten Weg durch Mexiko, und schaemen sich dann, mit leeren Haenden zurueckzukehren: immerhin haben es ja viele schon gschafft, warum also nicht sie? Aber es ist ein tagtaegliches Gluecksspiel, ein paar kommen durch, die Mehrheit wird wieder und wieder abgeschoben.

Donar (27, Honduras) ist schon seit einigen Jahen in der Herberge. Er verlor beide Beine bei einem Zugunfall. Seine Familie wohnt 8 Stunden Fussmarsch von der naechsten Strasse entfernt. Mit Rollstuhl oder selbst Prothesen koennte er nicht zu ihnen gelangen. Da die Migrant_innen mit Gueterzuegen reisen muessen, um die Kontrollposten auf den Landstrassen zu entgehen, gibt es stets schwere Unfaelle, da man sich auf den Zugdaechern nur schwer festhalten kann. Hunderte von Menschen reisen so taeglich Richtung USA, Sonne und Regen, Hunger und Durst zum Trotz.

Luisa (Honduras), wurde auf dem Weg Richtung Norden ueberfallen und brutal zusammengeschlagen. Das ist leider alltaeglich hier an der Suedgrenze Mexikos. Nicht selten sind die Aggressoren keine einfachen Kriminellen, sondern Angehoerige der verschiedenen mexikanischen Polizeieinheiten. Korruption und Rassismus tragen dazu bei, dass die Migrant_innen als leichte Beute gesehen werden, und keinesfalls als gleichwertige Menschen, wovon sadistische Misshandlungen, sexualisierte Gewalt und der eiskalte Einsatz von Schusswaffen und Macheten gegenueber Zentralamerikaner_innen zeugen. Leider sehen wir in unserer Arbeit immer wieder, dass Anzeigen gegen Menschenrechtsverletzungen in den Aktenschraenken verstauben und der Menschenrechtsarbeit hier in der Region Grenzen gesetzt sind.