lunes, 20 de octubre de 2008

MILITARISIERUNG MEXIKOS

FORO SOCIAL DE LAS AMERICAS

Heute gibt es mal einen kleinen poltischen Exkurs…

Um nicht den Ueberblick zu verlieren, was auf dem Kontinent so vor sich geht, und welche Auswirkungen es auf die Situation an der Suedgrenze Mexikos hat, war ich am Wochenende auf dem Sozialforum in Guatemala, das in der Tradition der Weltsozialforen von Porto Alegre steht. Es waren nur ein paar Tausend Leute da; auf dem Forum in Atlanta/USA waren es immerhin 20.000, aber wenn man bedenkt, dass hier in der Region die Akteur_innen der Zivilgesellschaft ein bisschen weniger Geld haben, um zu Polit-Treffen zu reisen, war es schon gut besucht.

Schoen & kaempferisch war auf jeden Fall die Abschlussdemo am 12. Oktober, dem “Día de la Raza”; dem Jahrestag, an dem Columbus mit seinem goldgeilen Soeldertrupp den Kontinent erreichte und der den Anfang von einigen hundert Jahren Ausbeutung Lateinamerikas zugunsten der Alten und bald auch der Neuen Welt bildet. Das rassistische Klassensystem, das die Spanier aufstellten, zieht sich leider ebenfalls bis heute durch die Gesellschaft und kann in jeder Werbung und telenovela abgerufen werden: weisse Haut & europaeische Gesichtszuege = Chancen auf Geld, Job, Karriere, dunkle Haut und indigene Gesichtszuege = keine Chancen auf gar nichts.




















Was die Analysen der politischen und wirtschaftlichen Prozesse auf dem Kontinent angeht, hab ich das Forum stellenweise als ganz schoen deprimierend empfunden. So platt und anti-antideutsch es klingen mag, aber leider trifft in Lateinamerika immer wieder zu: Alles Schlechte kommt aus den USA; dem Land mit einer immer noch fast absoluten wirtschaftlichen und politischen Macht, dank Chávez und Morales nicht mehr unbedingt in Suedamerika, aber im mesoamerikanischen Raum (Mexiko bis Panama) auf jeden Fall. So wird die US-initiierte “Initiative Mérida”, in den naechsten drei Jahren zu einer Militarisierung der Karibik, Zentralamerikas und, vor allem, Mexikos fuehren. Die Vereinigten Staaten haben einen Finanzplan von 1.4 Mio. Dollar verabschiedet, die den genannten Laendern zur Verfuegung stehen sollen, um Militaer und Polizei hochzuruesten. Damit sollen, ihr ahnt es, “Drogenhandel und Terrorismus” in die Schranken gewiesen und “Innere Sicherheit” gewaehrleistet werden.

Fuer Mexiko gibt es den “Plan México” und 400.000 Dollar pro Jahr. Damit wird Mexiko, genau wie Kolumbien vor ein paar Jahren mit dem “Plan Colombia”, politisch fuer bankrott erklaert. Die Hilfe vom Big Brother USA muss her, um das Land vom Drogenhandel zu befreien. Es ist gewiss richtig, dass in Mexiko nichts geht ohne den Drogenhandel, nur leider ist Praesident Felipe Calderón da ganz offensichtlich dick drin verstrickt, und es macht wenig Sinn, ihn als Gefaehrten im Kampf gegen organisierte Kriminalitaet zu nehmen. Und das Militaer auszubauen ist ebenfalls eine Farce, denn die Militaerstrukturen sind eine der besten Drogenhandelsnetze ueberhaupt im Land; die Zetas, eine der groessten Drogenhaendlergruppen Mexikos sind allesamt Ex-Militaers.

Wie auch der Plan Colombia einfach gar nichts gebracht hat ausser Gewalt und Chaos (denn schliesslich konsumieren die Amis ja das Koks und die USA hat einen gewaltigen Drogenmarkt, der versorgt werden will), ist auch vom Plan México ueberhaupt nichts Gutes zu erwarten. Eine Militarisierung des Landes, und das zeigt die Geschichte und Gegenwart aller Laender Lateinamerikas, hat immer das selbe zur Folge: eine erhoehte Repression gegenueber sozialen Bewegungen, sprich Menschenrechtsverletzungen gegen marginalisierte Gruppen im Allgemeinen und Aktivist_innen & Gewerkschafter_innen, die deren Rechte vertreten, im Speziellen.

Das hat zur Folge, dass das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich und die damit einhergehende ungleiche rechtliche Vertretung, Zugang zum Bildungssystem und Gesundheitsversorung, etc. auch zivilgesellschaftlich nicht aufgefangen werden kann. Hinzu kommt die stete Gefahr eines Militaerputsches bei starkem politischen Einfluss von per se machtgierigen und kaltbluetigen Generaelen. “In Lateinamerika kommt es nur zur Etablierung demokratischer Systeme, wenn das Militaer gerade zu behaebig ist, um sie auszuhebeln.”, sagte ein guatemaltekischer Intellektueller auf dem Forum.


















Felipe Calderón hat von Anfang an seine Praesidentschaft dazu genutzt, die Macht des Militaers im Staat voranzutreiben, und er hat in Atenco und Oaxaca, in Chiapas sowieso, und eben gerade in Morelia soziale Proteste mit uebertriebenen Polizei- und Militaereinsaetzen niederschlagen lassen, bei denen viele Aktivist_innen gefoltert und und weggesperrt wurden. “Innere Sicherheit” wird aus dem Plan México ganz gewiss nicht erfolgen; jedenfalls nicht fuer die breite Masse der Bevoelkerung, ganz im Gegenteil…

Was die Migrant_innen im Speziellen angeht, so werden sie in Folge des Plan México mit noch mehr Kontrollen auf den Landstrassen rechnen muessen und mit Raeubern, die mit schnellen Autos und neuen Waffen ausgeruestet und sich ihrer Straflosigkeit gewiss sind: mind. die Haelfte aller Ueberfaelle auf Migrant_innen werden in Mexiko von Polizeifunktionaeren und Militaerangehoerigen veruebt, die immer haeufiger werdenen Entfuehrungen, bei denen Geld von den Verwandten der Migrant_innen in den USA erpresst wird, werden von den Zetas, den oben erwaehnten Ex-Militaers veruebt.

Alles in allem also keine guten Aussichten :-(

martes, 7 de octubre de 2008

NACH NORDEN

NACH NORDEN

Hola Hermana Lilian! Esa foto es especialmente para ti de parte de Juan! Muchos saludos de él :-) Ya está nuevamente en camino a EEUU junto con un amigo. Estuvieron solamente de paso aquí en el albergue. También hay nuevas fotos en la galería de la página web, para que la checas siempre :-)


Juan (Foto links) ist einer von vielen jungen Migranten, die immer wieder in die Herberge zurueckkehren. Vor vier Jahren erlitt er einen Zugunfall, bei dem sein rechter Fuss verkrueppelt wurde. Drei Jahre lang lief er auf Kruecken. Als er Anfang des Jahres erneut in die Herberge kam, nahm er allen Mut zusammen, angesichts der Migranten, die mit Prothesen (unter weiten Jeans leicht hinkend) durch die Gegend laufen, arbeiten, Sachen tragen... Er entschloss sich, sich den verkrueppelten Fuss, den er nicht mehr richtig aufsetzen konnte, abnehmen zu lassen. Ein wahnsinnig mutiger Entschluss, aber Juan hatte keine Lust mehr, sein Leben lang auf Kruecken angewiesen zu sein.

Er blieb die erste Haelfte des Jahres in der Herberge. waehrend der Stumpf langsam verheilte, lernte er auf seinem Bett lesen und schreiben. Des Weiteren lernte er Onoria kennen, eine andere Migrantin aus Honduras (der tapachultekische Polizisten bei einem Ueberfall aus lauter Sadismus das Bein brachen), und arbeitete in dem Kiosk der Herberge vor dem Hospital. Die taegliche Fahrt zur Arbeit mit mir nutzte Juan systematisch, um sich englische Vokabeln und Saetze einzupraegen. Als er seine Prothese bekam, machte er sich mit Onoria auf eine abenteuerliche Reise Richtung Norden. Er schaffte es nach mehreren Versuchen bis Arizona, aber wurde leider wieder abgeschoben.

Jetzt war Juan erneut in der Herberge, ein kleiner Zwischenstopp auf dem Weg Richtung USA. Mit Onoria ist er nicht mehr zusammen, aber sie sind als Freunde auseinander gegangen. Sie wollte zurueck zu ihren Kindern nach Honduras. Juan ist mit einem Freund unterwegs. Fuer Schwester Lilian, die ihn als Krankenschwester der Herberge wochenlang begleitete, um seine Prothese anzupassen, ist dieses Foto. Die beiden posieren vor einem Foto des tapachultekischen Fotografen und Menschenrechtsaktivisten Juan de Dios Garcia Davish. Juan und sein Freund wollen allerdings versuchen, die Reise mit dem Zug zu umgehen und mit Bussen an die Nordgrenze zu gelangen, auch wenn dies viele Kontrollen auf dem Weg beinhaltet. Hoffentlich schaffen sie es und rufen aus den USA an...
(eine Prothese, Material + Anfertigung, kostet uebrigens, je nachdem, ob die Amputation unter- oder oberhalb des Knies ist, ca. 2000-3000 Dollar. Scheisse teuer.)