miércoles, 26 de noviembre de 2008

Haeusliche Gewalt

HAEUSLICHE GEWALT


Lieber Robert! Das ist Robert(o).
Wann kommst du ihn -und mich- besuchen?!


Vicky ist in Tijuana aufgewachsen, deshalb hat sie keine Familia hier in Tapachula. Nur einen Ehemann, der sie immer wieder gruñe und blau schlaegt. Sie hat schon einmal ein halbes Jahr bei uns in der Herberge gewohnt, als sie noch mit Roberto, ihrem juengsten Sohn von acht Geschwistern, schwanger war. Ihr Mann holt sie dann immer wieder ab, wenn alle Wunden verheilt sind, und sie gluecklich ob seiner Liebesbezeugungen mit ihm von dannen zieht.

Solche Geschichten sind immer viel furchtbarer als die reinen “Krankenheitsfaelle”, auch wenn das vielleicht komisch klingen mag. Aber selbst bei einer Amputation kann man jemanden wieder soweit “aufbauen”, dass er/sie den Schock irgendwann ueberstanden hat und gluecklich sein/ihr Leben weiterlebt. Aber wenn es um haeusliche Gewalt geht, sieht das ganze viel komplizierter aus und es gibt irgendwie keine Loesung. Wenn es Frauen trifft, die ein halbwegs gesundes Selbstbewusstsein haben, das aus einer gluecklichen Kindheit in heiler Familie resultiert, dann trennen sie sich spaetestens nach einem Rippenbruch von ihrem gewalttaetigen Ehemann oder Freund.

Aber wenn eine Frau von kindauf nur Lieblosigkeit, verbale und psychische Gewalt und sogar noch Missbrauch erlebt hat, hat sie meistens keinen gesunden Selbstschutz mit auf den Weg gekriegt, und ist furchtbar leicht manipulierbar: “Die Schlaege hast du verdient”, “Dein Benehmen bringt mich aus der Fassung, das bist du selber schuld”, “Wo willst du denn hin? Keiner ausser mir will dich!”, “Du bist nichts wert, sei froh, dass ich mich deiner erbarme!”, “Du kannst gehn, keiner haelt dich auf, aber die Kinder nimmst du nicht mit.”, etc. etc. hoeren sich diese Frauen taeglich an und haben leider nie was anderes gehoert. Und dann ist es ein ewiges Hin- und her aus Schlaegen und Liebesschwueren, was ja auch auf Dauer ein Klima schafft, in dem frau nur bekloppt werden kann, wenn sie nie weiss, was kommt jetzt? Kann ich ihm vertrauen oder sollte ich die Beine in die Hand nehmen?…



Jetzt ist Vicky erneut hier, und ich bin am ueberlegen, an welche Institution wir uns wenden koennen. Wenn wir auf die normale Bullenstation gehen, beachten sie uns eventuell soweit, dass sie missmutig die erneute Anzeige aufnehmen – falls Vicky es nervlich ueberhaupt durchhaelt, ihren Mann anzuzeigen, sie ist mittlerweile psychisch mehr als labil. Dann hat sich´s damit aber auch schon, und wenn wir auf tatsaechliche Ermittlungen aus sind, muessten wir selbst die Zeugen zusammen suchen. Aber die Nachbarn haben alle Angst, denn der Typ ist als versoffener Schlaeger bekannt. Meine Lieblingskollegin Doris, knallharte alleinerziehende Mutter dreier Toechter, sagt: “So ein Scheiss. Warum trennt sie sich nicht, fuer Kinder kann frau auch alleine sorgen!”, aber Vicky hat null Selbstvertrauen, und kann nicht mal ihren Namen schreiben, wo soll sie einen Job suchen?

Hm, ich hoffe, in diesem Fall findet sich irgendwann mal eine Loesung, ich bleibe welter auf der Suche nach frauenspezifischen Justizbehoerden mit integraler Betreuung fuer Frauen, die Opfer von haeuslicher Gewalt sind… (von den verwahrlosten Kids ohne Zukunft an dieser Stelle mal ganz zu schweigen…) und fahr derweilen Mario zum Anpassen seiner Prothese. Leichteste Aufgabe!

jueves, 6 de noviembre de 2008

AUF DURCHREISE

AUF DURCHREISE






“Warum sind Sie illegal ins Land gekommen?”
“Weil ich nicht an die Legalitaet glaube. Und da wir nun
schon mal dabei sind, an Grenzen glaube ich auch nicht.
Zwischen Mexiko und Guatemala gab es keinen Unterschied.
Von einem Baum zum naechsten im Urwald, und das war’s.
Auch die Baeume erkennen keine Grenzen an.”
“Die Baeume koennen wir nicht ausweisen.”
“Umso besser fuer sie.”
“Und was haben Sie in Mexiko gemacht?”
“Ich war auf der Durchreise.”
“Auf Durchreise?”
“Auf Durchreise.”
“Auf der Durchreise wohin?”
“Das werden Sie mir schon sagen…”






Dieses, wie ich finde, sehr generell gueltige Zitat zu Reise und Migration, Mobilitaet und Kontrolle habe ich aus dem Roman von Paco Ignacio Taibo II “Auf Durchreise” (“De Paso”) entnommen.

Das Buch hat nicht direkt etwas mit Migration zu tun, sondern ist eine fuer Taibo II so wunderbar typische literarische Aufarbeitung von politischer Geschichte und erzaehlt vom anarcho-syndikalistischen Aktivisten San Vincente im Mexiko der 20er Jahre. Ich finde ueberhaupt alle Buecher von Taibo II mehr als lesenswert und lege sie euch hiermit ans Herz…

Die Bilder habe ich letzten Monat auf der Zugroute zwischen Arriaga, Chiapas, und Ixtepec, Oaxaca, aufgenommen, und sie zeigen die Menschen, die hier aktuell auf der Durchreise bzw. hoffentlich mittlerweile schon angekommen sind.