domingo, 26 de mayo de 2013

Hollman Morris zu Drogenkriegen und Dokumentarfilm

Hollman Morris, kolumbianischer Journalist

»Legalisierung ist der einzige Ausweg«

Hollman Morris ist einer der renommiertesten investigativen Journalisten Lateinamerikas. Zu Hochzeiten des Drogenkriegs in Kolumbien etablierte er das Editorial »Menschenrechte« in der Tageszeitung El Espectador. In seinem Fernsehmagazin »Contravía« berichtete er von Vertreibungen, Massakern und hingerichteten Zivilisten im Inneren des Landes. Juan Manuel Santos, damals Verteidigungsminister, heute Präsident von Kolumbien, bezeichnete Morris als »Komplizen des Terrors«. Da Fernsehsender im Einverständnis mit der Regierung Álvaro Uribes keine Kamerateams in Konfliktzonen entsandten, sind seine Aufnahmen aus dieser Zeit nahezu einzigartig. Morris wurde überwacht, verhaftet und ging mehrmals mit seiner Familie ins Exil. Mit der Jungle World sprach er über Drogenkriege und Versuche der Legalisierung, Journalismus und Dokumentarfilm.

Interview: Kathrin Zeiske


In Kolumbien sind Sie seit langem für Ihre audiovisuellen Dokumentationen des Kriegs bekannt. Ihr Dokumentarfilm »Impunity« (Straflosigkeit) sorgte auch international für Aufsehen. Was hat dieser Dokumentarfilm in Kolumbien ausgelöst?
In einem Land, das als älteste Demokratie Lateinamerikas bekannt ist, stellt »Impunity« das politische System in Frage. Denn der Film fragt nach vier Millionen Vertriebenen, er fragt nach 6 000 politischen Morden, er fragt nach den engen Verbindungen zwischen Politikern und paramilitärischen Gruppen. Er stellt dabei Bevölkerungsteile in den Blickpunkt, die von der Gesellschaft und den traditionellen Medien ausgeblendet werden. Er macht die Unsichtbaren sichtbar – Menschen, die Gewalt und Verfolgung erlitten haben.

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lunes, 20 de mayo de 2013

Veranstaltung 23.05. Bonn: Green Grabbing/Land Grabbing in Honduras

Green Grabbing / Land Grabbing in Honduras 
Vortrag am Do 23.05, 19h 
Bonn, Oscar-Romero-Haus
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2009 wurde in Honduras geputscht. 2013 stehen nun erneut Wahlen an, zu denen auch die Demokratiebewegung mit einer Partei antritt. Bevor die Machtverhältnisse sich erneut ändern können, setzen die Machthaber zum Endspurt an und verkaufen Land und natürliche Ressourcen aus. Allen voran sind es Protestbewegungen von Landlosen und  Indigenen, die sich dagegen wehren. Enteignungen, Privatisierungen und Konzessionierungen im Zusammenspiel mit  multinationalen Unternehmen werden mit staatlicher Gewalt durchgesetzt. Wasserenergieprojekte, Palmölanbau & die Kommerzialisierung von Wäldern werden von der bei Rio +20 ausgerufenen „Green Economy“ protegiert und von deutschen und internationalen Institutionen gefördert.

Veranstaltung mit Kathrin Zeiske

Kathrin Zeiske ist als Freie Journalistin in Mittelamerika unterwegs und schreibt über Auswirkungen der Globalisierung und soziale Bewegungen.

Vortrag und Eröffnung der Ausstellung “GEGEN DIE UNSICHTBARKEIT”-  Fotoausstellung zum Widerstand in Honduras  am 23.05.2013, 19.00

„GEGEN DIE UNSICHTBARKEIT“ – Fotoausstellung zum Widerstand in Honduras, 23.05 bis 23.06.

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Sie waren unsichtbar. Sie waren nicht-existent in den Regierungsprogrammen, internationalen Abkommen & Investitionsvereinbarungen. Sie, die Marginalisierten der honduranischen Bevölkerung. Frauen, homo- und transsexuelle Menschen, Kleinbäuerinnen & Kleinbauern, Landlose, Indigene… Als sie drohten, mehr Mitspracherechte zu fordern, wurde dies von der honduranischen Elite und dem Militär mit einem Putsch am 28. Juni 2009 beantwortet. Doch sie ließen sich nicht einschüchtern, nun erst recht nicht. Auch die Militarisierung des Landes und die Repression gegen die Zivilgesellschaft wird in der Ausstellung gezeigt, ebenso wie der Beitrag von Europäischer Union und deutscher Institutionen an der „Unsichtbarmachung“ des Widerstands.

Die Wander-Ausstellung ist ein Projekt der HondurasDelegation, einer Gruppe von Aktivist*innen und freien Journalist*innen. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit honduranischen „Künstler*innen im Widerstand“.

„GEGEN DIE UNSICHTBARKEIT“.  Fotoausstellung zum Widerstand in Honduras, 23. Mai – 23. Juni, Eröffnung am 23.05.2013, 19.00

lunes, 13 de mayo de 2013

Genozidprozess in Guatemala

Die Wahrheit strahlt viel zu hell

In Guatemala hat der Völkermord-Prozess gegen Exdiktator Efraín Ríos Montt eine Debatte um die Vergangenheit entfacht

Von Kathrin Zeiske

Ein bronzenes Staatswappen prangt an der Marmorwand über dem massiven Richtertisch im Saal des Justizpalastes. Rechts davon eine imposante Standuhr, deren Pendel unaufhaltsam hin- und herschwingt. In Guatemala stand dennoch die Zeit still, als das Verfahren gegen den ehemaligen Machthaber Efraín Ríos Montt und seinen Geheimdienstchef Mauricio Rodríguez Sánchez im April vorübergehend ausgesetzt wurde.

Es ging in diesem Prozess nicht nur um Verbrechen im guatemaltekischen Bürgerkrieg (1960-96), es ging um weit mehr. »Genozid ist der potenzierte Ausdruck des geplanten Mordes, es ist das menschliche Böse, das mit der Vernunft Hand in Hand geht«, versuchte der renommierte Akademiker Edelberto Torres-Rivas das Phänomen zu fassen, das die Gemüter in Guatemala erhitzt. Besonders als das Verfahren Mitte April kurzfristig annulliert wurde – wohl mehr aufgrund politischer Interessen als wegen juristischer Verfahrensfehler.

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miércoles, 8 de mayo de 2013

Veranstaltung "Drogenkriege" München


„Krieg(e) gegen Drogen“. 

Macht, Kontrolle und Gewinne in Mexiko und Mittelamerika

Samstag, 11. Mai 2013,15 Uhr
BUKO 35, DGB Jugendraum III, München
Kathrin Zeiske, Freie Journalistin

In den Medien mangelt es nicht an spektakulären Berichten über den Drogenkrieg in Mexiko. Dass es dabei nicht um die Unterbindung des Handels geht, sondern um die Gewinn­monopolisierung auf ein Kartell mit Unterstützung der Regierung, bleibt zumeist außen vor. Ebenso die fatalen Auswirkungen für die Zivilgesellschaft. Folter, gewaltsames Verschwindenlassen und Morde an Menschenrechtsverteidigerinnen und Journalistinnen haben dramatische Ausmaße erreicht.

Die Verteilungskämpfe der Kartelle haben sich derweilen nach Mittelamerika ausgeweitet. Während es in Guatemala Legalisierungs­ansätze gibt, in El Salvador ein Friedenspakt zwischen Regierung und Banden pragmatisch den Dialog mit der organisierten Kriminalität sucht, nutzen in Honduras die Drogenkartelle den seit dem Putsch fortlaufenden Staatsverfall und versenken das Land in Gewalt.

Diskutiert werden soll das Zusammenspiel von Militarisierung und der Kontrolle sozialer Bewegungen im Kampf um Land und Ressourcen. Ebenso die Frage nach Konsum, Verantwortung und Militärhilfen des globalen Nordens, Chancen der Legalisierung und einer linken Analyse von Neoliberalismus +Globalisierung +Verbrechen.

lunes, 6 de mayo de 2013

Gerichtsprozess Genozid Guatemala


»Leugnen schützt die Mörder von damals«

In Guatemala ist das Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Diktator Efraín Ríos Montt, dem Genozid an der indigenen Bevölkerung vorgeworfen wird, vorläufig abgebrochen worden. Eine politische Entscheidung, so scheint es. Erstmals hatte die indigene Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú den Genozid im Jahr 1999 vor den Nationalen Gerichtshof in Madrid gebracht. So bekannt die Menschenrechts-verteidigerin interna­tional ist, gilt sie im eigenen Land zumeist als »Verräterin«, die Guatemala vor den Vereinten Nationen in Verruf gebracht habe. Die Jungle World sprach mit ihr über die Bedeutung des Gerichtsverfahrens für die Aufarbeitung der Vergangenheit in Guatemala und die möglichen Verstrickungen des gegenwärtigen Präsidenten, Otto Pérez Molina, in die Verbrechen von damals.

Interview: Kathrin Zeiske

Das Gerichtsverfahren gegen Efraín Ríos Montt und seinen ehemaligen Geheimdienstchef ist abgebrochen worden. Ob es weitergeführt oder annulliert wird, entscheidet nun das Verfassungsgericht. Kann es überhaupt noch Zweifel darüber geben, dass in Guatemala ein Genozid stattgefunden hat?
Keinesfalls. Vor 30 Jahren gipfelte der seit Jahrhunderten existierende Rassismus gegen die indigene Bevölkerung in dem Versuch, sie zu vernichten. Es gab nicht nur Massaker, wir sprechen nicht nur von Massenmorden. Die Maya, insbesondere die Gruppe der Maya-Ixiles, wurden damals zu Staatsfeinden erklärt. Das bedeutet, es gab im Hochland für die Armee keine Zivilisten. Männer, Frauen, Alte, Kinder und selbst Ungeborene galten als Angehörige der Guerilla und wurden systematisch niedergemetzelt. Massenvergewaltigungen, Vertreibungen und Umerziehungslager dienten dazu, unsere Identität für immer auszulöschen.

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