martes, 29 de diciembre de 2015

Leben an der Grenze - Ciudad Juárez und El Paso

Jenseits des Tortillavorhangs

Ciudad Juárez und El Paso trennt die hochmilitarisierte Grenze zwischen Mexiko und den USA. Die beiden Städte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verbindet jedoch eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsamer Alltag. Für viele Menschen aus Mexiko und Mittelamerika stellt die Wirtschaftsmetropole Ciudad Juárez ein Tor in die USA dar. Täglich passieren Waren, Geld, Drogen, Waffen, US-amerikanische Staatsbürger und auch die Auftragsmörder der Drogenkartelle die Grenze weitgehend unkontrolliert. Für diejenigen Bewohner von Ciudad Juárez, die ein US-Visum besitzen und die Familie in den USA haben, stehen einer Fahrt nach El Paso lediglich die Wartezeiten auf den Grenzbrücken im Wege.

von Kathrin Zeiske


Es gibt sie wirklich. Und an diesem Abend, als wir auf dem Weg von El Paso zurück nach Ciudad Juárez waren, wurden sie sichtbar. Es waren fünf schwarzgekleidete Gestalten, die aus dem betoneingefassten Kanal des Río Bravo kamen und geduckt in Richtung Ufer, Richtung USA liefen. Vom höchsten Punkt der Grenzbrücke kann man durch den Maschendraht auf die Hügellandschaft rund um El Paso blicken. Dorthin, wo ein Stern aus Lichtern von den Felsen her nach Mexiko her­überleuchtet. Dutzende von Menschen versuchen täglich hier, im urbanen Ballungsgebiet, oder aber weiter draußen, in der Wüste, die angeblich militarisierteste Grenze der Welt zu überqueren. Klandestin und auf der Suche nach einem besseren Leben, dem nie verblassenden American Dream folgend. Dort, wo die fünf Menschen wohl durch ein Loch im ersten Grenzzaun schlüpften, waren sie nur wenige Meter von einem der weiß-olivfarbenen Jeeps der U.S. Border Patrol entfernt. Doch Fahrer und Beifahrer saßen mit dem Rücken zu ihnen und sahen sie nicht.

Die letzten Häuser von Ciudad Juárez im Stadtteil Anapra liegen direkt am Grenzzaun zu den USA
Die letzten Häuser von Ciudad Juárez im Stadtteil Anapra liegen direkt am Grenzzaun zu den USA (Foto: Ina Riaskov)
»Der Zaun dient nur dazu, diese Leute zu verlangsamen; stoppen kann er sie nicht«, gibt U.S. Border Patrol Officer George Gómez freimütig zu, als wir am Tag darauf auf die andere Seite der Grenze zurückkehren, um das Border Patrol Museum zu besuchen. In einer Zementfestung weit außerhalb von El Paso birgt das privat geführte Museum schnittige Sportwagen, Quads und Hubschrauber der Grenzpolizei aus vergangenen Jahrzehnten neben Filmplakaten von »Hans, dem Grenzschutzhund« sowie selbstgebauten Segelflugzeugen, Schuhen, deren Sohlen Kuhhufe im Wüstensand imitieren, und meterlangen Strickleitern. Die Mexikaner »probierten einfach alles aus«, um in die USA zu gelangen, berichtet der Presse- und Öffentlichkeitschef der U.S. Border Patrol im Sektor El Paso. »Auch an besonderen Tagen wie an Weihnachten oder während der Superbowl versuchen viele über die Grenze zu gelangen, denn sie glauben, dass diese dann weniger bewacht ist.« El Paso ist die Wiege der im Jahr 1924 gegründeten Border Patrol. Die US-amerikanischen Bürger, die mit eigenem Pferd und Gewehr patroullierten, sollten an der Passierbarkeit der imaginären Grenzlinie zwischen Grasbüscheln und Sand auf lange Zeit nichts ändern. Die Abschottung begann erst in den achtziger Jahren und wurde mit dem 11. September 2011 zur nationalen Aufgabe erklärt.


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sábado, 5 de diciembre de 2015

Frauenmorde im Bundesstaat Mexiko

"Selbstbewusstsein." Schülerinnen in Ecatepec.: © Rodrigo Jardón
Foto: Rodrigo Jardón

Stadt der verschwundenen Frauen

Rund um Mexiko-Stadt werden seit Jahren immer mehr Frauen ermordet. Fast alle Verbrechen bleiben ungesühnt, weil korrupte Beamte und Drogenkartelle die Aufklärung verhindern. Doch die Bewohner der verarmten Stadtteile ­wehren sich nun selbst gegen die Gewalt und setzen die Politik unter Druck.

Von Kathrin Zeiske

Irinea Buendía erhielt den Anruf am frühen Morgen. "Deine Tochter hat sich erhängt", sagte ihr Schwiegersohn lapidar. Den Körper ihrer Tochter Mariana fand sie mit blauen Flecken und Schrammen übersät auf dem Bett liegen. Viele weitere Ungereimtheiten am Tatort wiesen auf einen Mord hin. Die Polizei ­jedoch übernahm die Version des Ehemannes von einem Selbstmord. Dass dieser, ebenfalls ein Polizist, immer wieder geäußert hatte, dass er seine Frau töten werde, interessierte die Beamten nicht. Ebenso wenig, dass Mariana keineswegs depressiv war, sondern kurz vor ihrem Tod angekündigt hatte, die gewalttätige Beziehung zu beenden.

Mariana Lima lächelt von jedem Foto herab, das im verwinkelten Haus ihrer Eltern in Nezahualcóyotl hängt. Nezahualcóyotl ist eine der riesigen Gemeinden, die in den vergangenen Jahrzehnten an den Hügeln rings um Mexiko-Stadt entstanden sind. Vor allem Menschen vom Land zogen hierher, um ein neues Leben zu beginnen. 16 Millionen Einwohner zählt der Bundesstaat Mexiko mittlerweile, der die Hauptstadt mit fast 21 Millionen Bewohnern hufeisenförmig umfasst.

Nezahualcóyotl, Chimalhuacán, Ecatepec, Tlalnepantla, Chalco - dichtbesiedelte Ballungszentren voller Menschen, von denen viele nahe am Existenzminimum leben. Sie kaufen in der Hauptstadt chinesische Billigprodukte wie Babykleidung oder Plastikmöbel ein, um die Waren dann in der Peripherie weiterzuverkaufen: Auch Mariana Limas Eltern haben ihr Leben lang gearbeitet, um ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen. Ihr Haus bauten sie in Etappen. Sobald Geld vorhanden war, kam ein weiteres Zimmer hinzu. Kürzlich wurde bei ihnen eingebrochen. Ihren ehemaligen Schwiegersohn sehen sie derweil in der Nachbarschaft patrouillieren.

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jueves, 5 de noviembre de 2015

Gewaltsam Verschwundene in Mexiko

http://taz.de/picture/768244/948/0323.jpg
Foto: Tabea Huth

Das Erbe des Suppenkochs


 

Santiago Meza López löste für die Drogenkartelle in Tijuana Menschen in Säure auf. Wie aus dem Ort des Horrors einer der Versöhnung wird.

Kathrin Zeiske (Text)/Tabea Huth (Fotos)



Doña Rebeca ist eine einfache Frau. Sie hat ihr Leben lang hart gearbeitet und nebenbei Kinder und Enkel großgezogen. Rebeca Gómez ist aber auch eine Detektivin. Eine hellwache, graublonde Miss Marple in einem Land ohne Verbrechensaufklärung. Als ihr Sohn Juan Francisco verschwand, blieb ihr nichts anderes übrig, als selbst Nachforschungen anzustellen. Das jahrelange Zusammensetzen von Puzzlestücken aus Gesprächsfetzen und Zeitungsmeldungen bescherte ihr schließlich Gewissheit. Ihr Sohn fand sein Ende in den Händen des pozoleros, des Suppenkochs. Aber diesen Namen will Doña Rebeca nicht mehr hören. „Wollen Sie sich vorstellen, wie jemand aus ihrem Sohn Suppe kocht? Nein, wollen Sie nicht!“


Mehr als eine „menschliche Emulsion“ konnten die Forensiker im Januar 2013 auf dem Santiago Meza López gehörenden Gelände tatsächlich nicht mehr finden. Der Festgenommene will dort nach eigener Aussage 300 Leichen in Säure aufgelöst haben. Nach polizeilichen Schätzungen sind es weit mehr. Das in zwei unterirdischen Tanks freigelegte hochtoxische Gebräu von 7.500 Litern erzeugte Lungenschäden bei den Polizeibeamten. Und es erzeugt bis heute tiefes Grauen und Fassungslosigkeit bei jedem, der sich näher mit dem mexikanischen Drogenkrieg beschäftigt.


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martes, 20 de octubre de 2015

Weiblicher Hiphop gegen Frauenmorde

Foto: Ina Riaskov/Producciones y Milagros Agrupacion Feminista


„Mit dem Mikro in der Hand 
habe ich keine Angst“
Batallones Femeninos ist eine Frauen-Hiphopcrew aus dem mexikanischen Ciudad Juárez. In ihren Songs spiegelt sich der Alltag junger Mädchen in den staubigen Vierteln einer Metropole, die zur „gefährlichsten Stadt der Welt“ erklärt wurde. 
Interview: Kathrin Zeiske

an.schläge: Eine reine Hiphop-Frauen-Crew – davon gibt es nicht viele. Wie sind die Batallones entstanden?
Obeja Negra: Weibliche Vibes finden zusammen! Die Batallones Femininos sind etwas Schönes, das aus dem Dreck erwachsen ist. Als in Mexiko der Drogenkrieg ausbrach und die Stadt militarisiert wurde, war das schrecklich. Aber es entstand auch eine Friedensbewegung, die in marginalisierten Vierteln aktiv wurde. In einer Parallelwelt abseits der großen Boulevards von Juárez mit seinen Großraumdiskos und Fastfood-Restaurants. Ich war damals als einzige Frau mit der Hiphopcrew Socialismo o Barbarie unterwegs. Hinter irgendeiner Bühne traf ich Dilema, die bei Filos Clandestinos sang und irgendwann beschlossen wir, als Frauengruppe zusammenzubleiben.
Ihr rappt über so heftige Dinge wie die Frauenmorde in Ciudad Juárez. Doch seit dem Drogenkrieg sind diese aus den Medien verschwunden. Sind die Morde weiterhin ein Thema?
Obeja Negra: Unbedingt. Seit zwei Jahrzehnten werden in dieser Stadt Frauen umgebracht, weil sie Frauen sind: aufgrund von Hass, der Begierde und dem Besitzdenken von Männern. Aber nicht einmal das blutrünstige Boulevardblatt „P.M.“ berichtet mehr darüber. Viele sagen: Ach, das ist doch längst vorbei. Das stimmt nur leider nicht. Die Femizide gehen weiter und wir können sie nicht einfach ignorieren. Unser Leben ist in Gefahr, und wir wollen davon erzählen, was es heißt, hier als Frau zu leben. Mädchen werden entführt und zu Tode gequält. Wenn meine Nachbarinnen spurlos verschwinden, kann ich nicht über Wüstenblumen und Juárez‘ spektakuläre Sonnenuntergänge rappen.


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viernes, 28 de agosto de 2015

Entführungen von Migrant*innen in Mexiko - 5 Jahre nach San Fernando

Ein verlorener Schuh unweit des Grenzzaunes zwischen Mexiko und den USA, Ciudad Juárez

»Die Kartelle halten Sklaven«

In den letzten Augusttagen des Jahres 2010 gingen Meldungen über das Massaker von San Fernando in Tamaulipas um die Welt und machten das Ausmaß der Gewalt gegen Migranten in Mexiko deutlich. 72 Menschen aus Mittel- und Südamerika wurden vom Drogenkartell der Zetas ermordet. Fünf Jahre später gelten illegalisierte Migranten weiter als eine Haupteinnahmequelle des organisierten Verbrechens. In der Migrantenherberge von Saltillo, eine Tagesreise von der Grenze zu den USA entfernt, berichten Menschen aus den südlichen Nachbarländern täglich über das, was sie auf der Transitroute durch Mexiko erleben. Die Jungle World befragte den Leiter der Herberge, Alberto Xicoténcatl Carrasco, was sich an den Gewaltszenarien geändert hat.

Interview: Kathrin Zeiske


Werden fünf Jahre nach dem Massaker von San Fernando weiterhin Migranten in Mexiko entführt?
Allerdings, auch wenn die Drogenkartelle eine neue Praxis entwickelt haben. Entführungen finden heute nicht mehr auf den Güterzügen im Süden des Landes statt, die die Menschen für die klandestine Reise in Richtung Norden nutzen. Sie werden kurz vor dem Grenzübertritt in die USA gemacht und finden vor allem im Bundesstaat Tamaulipas an der Golfküste statt. Dort ist seit Beginn des sogenannten Drogenkriegs die Regierung de facto entmachtet. Das Golfkartell und die Zetas haben Städte und Regionen untereinander aufgeteilt und hier werden derzeit Migranten verschleppt.
Wie gehen diese Entführungen vonstatten?
Die Fälle, von denen uns Migranten erzählen, offenbaren ein eigenartiges Hybridmodell zwischen Erpressung und Serviceleistung. Die Familie wird angerufen und erpresst, nicht nur für die Freilassung, sondern auch gleich für den Grenzübertritt zu zahlen. Das bedeutet, dass Migranten nicht mehr frei entscheiden können, wer sie über die Grenze bringt. Vielmehr entscheiden die Kartelle, welche Gruppe sie in ihre Gewalt bringen.
Und wie viel kostet eine solche Freilassung inklusive Grenzübertritt?
Dafür müssen die Familien 5 000 bis 7 000 US-Dollar aufbringen. Normalerweise zahlt man für einen Grenzübertritt mit einem Schlepper 3 000 US-Dollar. Doch es gibt tatsächlich mittlerweile keine unabhängigen Schlepper mehr. Alle müssen Abgaben an eines der Kartelle zahlen und werden von ihnen kontrolliert, denn diese haben die gesamte Grenze zu den USA untereinander aufgeteilt.

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domingo, 9 de agosto de 2015

Frauenmorde mit System

Im mexikanischen Ciudad Juárez wurden erstmals drakonische Strafen gegen Frauenmörder verhängt. Die Verflechtung krimineller Strukturen in Polizei, Militär, Justiz und Politik vereitelte bislang die Aufklärung von Verbrechen gegen Frauen.

von Kathrin Zeiske

Der mexikanischen Installationskünstlerin Teresa Margolles zufolge ist Ciudad Juárez die Stadt der Arbeit. Ein modernes Metropolis, das nie stillstehe, denn zu jeder Uhrzeit sind ihre Bewohner und Bewohnerinnen emsig am Arbeiten. Die Nachtschichten in den Weltmarktfabriken wurden Frauen ab Anfang der neunziger Jahre zum Verhängnis, als die erste Welle von Frauenmorden über die Grenzstadt hereinbrach. Ein brutaler Backlash beantwortete die neue Selbständigkeit von Frauen als Geldverdienerinnen.

Ausgerechnet das Streben nach Arbeit kostete junge Frauen auch in den vergangenen Jahren das Leben. Falsche Jobangebote lockten sie in die Fänge von Menschenhandelsringen, die sie mitten im Zentrum der Stadt in ihre Gewalt brachten. Ihre Körper wurden wie Müll in ein ausgedörrtes Flussbett im Juárez-Tal außerhalb der Stadt geworfen. Bei einem Polizeieinsatz im Jahre 2012 wurden nur halbherzig mehrere Körper geborgen. Die Zuordnung von DNA-Proben erfolgte erst zwei Jahre später. Im Jahr 2013 fanden angereiste Mütter weitere Knochenreste am Fundort und erreichten einen Polizeigroßeinsatz.

Vorige Woche verkündete ein Gericht des Bundesstaats Chihuahua ein Urteil von jeweils 697 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von umgerechnet 47 000 Dollar für alle fünf Angeklagten. Sie hatten elf junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren in den Jahren 2009 bis 2011 entführt und schließlich in die Wüste verschleppt und umgebracht. Neben ihren Opfern Jazmín Salazar Ponce, Lizbeth Avilés García, Mónica Liliana Delgado Castillo, Beatriz Alejandra Hernández Trejo, Jessica Terrazas Ortega, Deysi Ramírez Muñoz, María Guadalupe Pérez Montes, Perla Ivonne Aguirre González, Idalí Juache Laguna, Jesica Leticia Peña García und Andrea Guerrero Venzor wurden die Namen von 20 weiteren vermissten Frauen während der Verhandlung benannt.

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miércoles, 24 de junio de 2015

Veranstaltung in Berlin - Migrationspolitik Mexiko

Von geflüchteten Kindern an der US-Grenze zum Plan Südgrenze in Mexiko

Donnerstag, 2. Juli um 19:30 Uhr

Galerie Olga Benario, Berlin

Foto: Kathrin Zeiske
Die erneute Militarisierung der regionalen Migrationspolitik
Diskussionsveranstaltung mit der Aktivistin und Journalistin Kathrin Zeiske

Barack Obama bezeichnete den Höhepunkt der Flucht von Kindern und Jugendlichen aus Mittelamerika letztes Jahr treffend als “Humanitäre Katastrophe”. Doch diese soll den USA fernbleiben. Kein Umdenken in politischen und wirtschaftlichen Beziehungen waren die Folge, sondern eine neue Militarisierungswelle des Migrationsregimes. Das Transitland Mexiko soll schon tausende Kilometer vor den USA die Menschen am Fortkommen hindern.

Die aktuelle Militarisierung der Südgrenze Mexikos und die Jagd auf Migrant*innen auf dem Weg nach Norden führen schon jetzt zu einer Zunahme von Menschenrechtsverletzungen und tragischen Unfällen. Des Weiteren zwingt sie Reisende einmal mehr, auf die Hilfe von Schleusern zurückzugreifen, die von mexikanischen Drogenkartellen kontrolliert werden. Für diese ist die kriminalisierte Migration eine Haupteinkommensquelle.

Migration und Flucht werden sich aber nicht aufhalten lassen, solange sich die Situation in den mittelamerikanischen Herkunftsländern nicht ändert. Hier verhindern es korrupte Regierungen, das Parallelregime von Narcos und Jugendbanden sowie der Ausverkauf an den Weltmarkt, dass die Grundbedürfnisse der Bevölkerung nach Frieden und einem würdigen Leben garantiert werden.

Kathrin Zeiske arbeitete mehrere Jahre lang für eine Migrant*innenherberge im Süden Mexikos. Heute bereist sie die Region als Freie Journalistin.

Info-Veranstaltung im Rahmen der Fotoausstellung “Grenzerfahrungen”
Die Fotoausstellung “Grenzerfahrungen” wird präsentiert von der Gruppe der Menschenrechte Mexiko aus Köln und zeigt die Dialektik der Grenzorte El Paso, Texas und Ciudad Juárez, Mexiko auf, hebt die Thematik Migration, Frauenmorde, den mutigen Ansatz von Aktivist*innen und der Mütter der verschwundenen Frauen und die Ambivalenzen zwischen den Städten an der nordmexikanisch/US-amerikanischen Grenze hervor.

Die Veranstaltungsreihe in diesem Rahmen wird in Kooperation zwischen dem Lateinamerika Nachrichten e.V. und der Galerie Olga Benario durchgeführt.

sábado, 6 de junio de 2015

Proteste gegen Korruption in Guatemala und Nachbarländern

Die Spitzenkandidaten Otto Pérez Molina und Manuel Baldizón im Wahlkampf um Guatemalas Präsidentschaft 2011

Guatemaltekischer Frühling

In Guatemala wurde ein Korruptionsnetz aufgedeckt, das bis in die Regierungsspitze reicht. Proteste erzwangen bereits den Rücktritt der Vizepräsidentin. Auch in anderen Ländern der Region begehrt die ­Bevölkerung auf.

von Kathrin Zeiske

Am 16. April ließ die UN-Kommission gegen Straffreiheit in Guatemala (CICIG) unisono mit der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft die Bombe platzen: Eine kriminelle Struktur veruntreue in großem Stil Staatsgelder aus der Zollbehörde. Zahlreiche Festnahmen folgten. Guatemalas Vizepräsidentin Roxana Baldetti ermöglichte ihrem Privatsekretär Juan Carlos Monzón bei einem gemeinsamen Staatsbesuch in Südkorea die Flucht nach Honduras, um dessen Verhaftung zu vermeiden. Allen voran legte die kritische Tageszeitung El Periódico die Vorgänge offen und über Facebook organisierten sich Zehntausende Menschen, um ihre Wut über die korrupte Regierung auf die Straße zu tragen.

Der politische Druck hatte Erfolg. Präsident Otto Pérez Molina verkündete Anfang Mai Baldettis freiwilligen Rücktritt, mit dem sie einem Amtsenthebungsverfahren durch Parlament und Obersten Gerichtshof zuvorkam. Die Freude in der neuen Demokratiebewegung war groß, trotz des Wissens, dass Baldetti das Bauernopfer einer korrupten Regierung ist. Das Motto der Proteste wandelte sich in: »Jetzt holen wir uns den Völkermörder«. Gemeint ist Pérez Molina, dessen maßgebliche Beteiligung am Genozid an der Mayabevölkerung Anfang der achtziger Jahre während des Bürgerkriegs bislang ungesühnt ist.

»Die Menschen werden sich ihrer Macht bewusst«, sagt Alba Lucía Morales begeistert, eine Demonstrantin, die als Expertin für öffentliche Gesundheit für eine internationale Organisation arbeitet. Dies sei wirklich ein politisches Frühlingserwachen. So füllten auch am Samstag Demonstrierende in Guatemala-Stadt erneut den zentralen Platz der Verfassung und richteten sich für eine nächtliche Mahnwache vor dem Nationalpalast ein. In ihrer Empörung authentisch sei die neue Bewegung, die weder politische Vor­reiter noch Ideologien kenne, so Morales. »Der Spontaneität geschuldet, sind die Plakate vor ­allem handgemalt – und so vielfältig wie einfallsreich in ihren Aussagen.« Die sozialen Medien, die die Bewegung zusammengebracht haben, spiegeln sich in ihnen wieder: Hashtags und Meme zieren die Plakate. Nicht nur in der Hauptstadt herrscht mittlerweile Aufbruchstimmung. »Wie eine friedliche Demonstration ein gewalttätiges Land verändert«, titelte BBC.

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jueves, 21 de mayo de 2015

Politische Reise - Ciudad Juarez - Herbst 2015


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Graffiti in Ciudad Juárez                (Foto: Ina Riaskov)
***jetzt nur noch max. 1200€***
***auch als Bildungsreise möglich***

Graffiti am Grenzzaun – Kunst- & Stadtteilkollektive erobern öffentliche Räume

Politische Reise

19.09.-11.10.2015

nach Ciudad Juárez, Mexiko 

mit Exkursionen ins Umland & nach El Paso, USA


Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez stand vor ein paar Jahren als “gefährlichste Stadt der Welt” im Fokus der Medien. Die militärische Besetzung im Kontext des sogenannten “Drogenkriegs” brachte das öffentliche Leben fast vollständig zum Erliegen. Das Engagement vieler Menschen für Frieden und Gerechtigkeit, das sie in kreativer Weise mit künstlerischen Happenings und kulturellen Projekten verknüpften, wurde kaum bekannt.

Auch wenn die Gewalt in der Stadt statistisch enorm zurückgegangen ist, fahren Kunst- und Stadtteilprojekte in ihrer Arbeit fort. Denn gesellschaftliche Ausgrenzung, Marginalisierung und Repression existieren in den weit ausgedehnten Vierteln am Rande der Wüste nicht erst seit dem sogenannten “Drogenkrieg”. Betroffen sind davon vor allem Jugendliche, für die Hiphop, Street Art und Theater zu einer identitären Ausdrucksform und zu einer Möglichkeit wird, in kollektiver Weise den öffentlichen Raum zu erobern. Einige dieser Initiativen und Aktivist*innen möchten wir durch die Reise näher kennenlernen. 


Die historische Entwicklung von Ciudad Juárez steht in Zusammenhang mit der Alkoholprohibition in den USA. Über Jahrzehnte war die Stadt mit ihren unzähligen Bars, Diskotheken und Bordellen ein beliebtes Ziel für Tourist*innen und Militärangehörige aus den USA.

Besonders seit den 70er Jahren siedelten sich u.a. US-amerikanische Billiglohnfabriken auf der mexikanischen Seite der Grenze an. Auch deutsche Firmen profitieren von den niedrigen Produktionskosten in Ciudad Juárez. Ciudad Juárez war lange trotz prekärer Arbeits- und Lebensbedingungen Anlaufpunkt für Migrant*innen aus ganz Mexiko. Die Stadtplanung vorbei an den Interessen der Bevölkerungsmehrheit sowie Korruption und fehlende Strafverfolgung trugen dazu bei, dass Kriminalität und organisiertes Verbrechen zunehmend an Einfluss gewannen. Seit den 90er Jahren gelangte Ciudad Juárez auf Grund des Phänomens der systematischen Ermordung von Frauen zu trauriger Berühmtheit.

Der machistische Rollback gegen die von traditionellen Geschlechterrollen und Familienstrukturen unabhängige Lebensführung unzähliger junger Frauen durch ein eigenes Einkommen im Maquilasektor führte in Verknüpfung mit der Präsenz der Drogenkartelle und der Zersetzung der politischen Strukturen zum höchsten Ausdruck misogyner Gewalt: dem Femizid. Aufgrund einer fast absoluten Straflosigkeit hat dieser weiterhin Bestand und limitiert die Bewegungsfreiheit von Mädchen und Frauen in der Stadt.

Die Regierungsstrategie, die Stadt zwischen 2008 und 2011 zu militarisieren, führte zu noch mehr Gewalt, einem horrenden Anstieg von Menschenrechtsverletzungen und einer weiteren Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die entstandenen Protestbewegungen, angeführt von den Müttern der Feminizidopfer, führten jedoch zu einer Stärkung und Professionalisierung der Zivilgesellschaft in Ciudad Juárez. Doch die heutige “Friedensbewegung” hat mit Repression und Übergriffen zu kämpfen und besonders Angehörige marginalisierter Bevölkerungsschichten geraten zwischen die Fronten des sogenannten “Drogenkriegs”.

Zehntausende Menschen haben Ciudad Juárez in den vergangenen fünf Jahren verlassen. Viele davon sind auf die US-amerikanische Seite des Rio Grande gezogen und haben dort ein “Little Juárez” im Exil aufgebaut. Denn die texanische Zwillingsstadt El Paso gilt weiterhin als eine der sichersten Städte der USA. Viele andere Menschen konnten es sich hingegen nicht leisten wegzuziehen, bekamen keine Aufenthaltserlaubnis in den USA oder haben sich bewusst dagegen entschieden.

Wir werden uns damit beschäftigen, welche Auswirkungen einseitige Stadtentwicklung und Gewalteskalation auf den Alltag der Menschen haben. Wenn auch die Gewaltrate in Ciudad Juárez stark zurückgegangen ist, lassen die extremen Erfahrungen Spuren zurück. Die mehreren tausend Toten der vergangenen Jahre reißen bleibende Lücken in ihre Familien und ihr soziales Umfeld. Nach wie vor gehören Verschwindenlassen und Feminizide zum Alltag der Grenzstadt, auch wenn die städtische Regierung versucht, diese Realität zugunsten des wirtschaftlichen und touristischen Aufschwungs auszublenden. Des Weiteren sitzen Tausende marginalisierter Jugendlicher und Erwachsener im Gefängnis, die gefüllt wurden, um den Erfolg der Regierung im angeblichen Kampf gegen die Kartelle zu demonstrieren.

Wie kann eine gesellschaftliche Aufarbeitung und ein künstlerischer Umgang mit der Gewalterfahrung gefunden werden? Wie gehen die Menschen vor Ort im Alltag mit den Problemlagen um, welche individuellen und kollektiven Strategien haben sie entwickelt? Woher nehmen sie die Kraft, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren? Welche Träume und Hoffnungen haben Jugendliche in der Region?

Ziel der Reise ist es, sich mit der von Globalisierung, Grenzregime und Drogenkrieg geprägten komplexen Realität in Ciudad Juárez auseinanderzusetzen. Dabei wollen wir die Perspektive und Arbeit von Kunst- und Stadtteilkollektiven wie Colectivo Vagón (Film-, Video- und Literaturproduktion) kennenlernen, politische Künstler*innen wie Teresa Margolles (Installationen zu Gewalt und Feminizid) und die Angehörigen von Batallones Femeninos (feministischer HipHop) und Telón de Arena (Theaterensemble) treffen und Orte wie den Mercado del Monu (sonntäglicher Treffpunkt der alternativen Szene der Stadt) und die Bäckerei des Kollektivs REZIZTE (Streetart) besuchen.

Daneben sind Ausflüge zu den Sanddünen von Samalayuca und in das Juáreztal geplant, wo sich die narco-Kultur in Altären des Malverde, Heiliger der Drogenkartelle, manifestiert, sowie nach Villa Ahumada, wo campesino-Kollektive gegen Fracking kämpfen, und nach Creel, wo sich indigene Kollektive der Rarámuri gegen Ausschluss und Armut wehren.

Um einen erweiterten Einblick in den Bedeutungsraum der Grenze zu bekommen, wollen wir El Paso, Texas, auf der anderen Seite der Grenze besuchen, das zum „safe haven“ für Flüchtlinge und verfolgte Aktivist*innen im „Drogenkrieg“ wurde und heute im Zeichen einer erneut verschärften US-Migrationspolitik das Abschiebedrehkreuz für Kinder und Jugendliche aus Mittelamerika ist.

Je nach Interesse der Teilnehmer_innen werden wir inhaltliche Schwerpunkte unserer Reise und Auszeiten zur Erholung und individuellen Gestaltung gemeinsam festlegen.  Programmpunkte, Einkäufe und Essen werden in der Gruppe vorbereitet. Neben dem Vorbereitungsseminar in Deutschland werden wir auch auf der Reise immer wieder Erlebtes und Gehörtes gemeinsam reflektieren und diskutieren. Spanischkenntnisse sind erwünscht.

Preis: ca. 1.050-1.200 Euro (inkl. Flug, Unterkunft, Transport, Vorbereitung)

Das Vorbereitungsseminar findet vom 3.-5. Juli in Berlin statt.

Fragen & Kontakt: mexiko@iak-net.de

Leitung: Ina Riaskov & Kathrin Zeiske


Kathrin Zeiske lebt und arbeitet zwischen Deutschland und Mexiko, wo sie einige Jahre für eine Migrant_innenherberge tätig war. Heute schreibt sie als Freie Journalistin über soziale Bewegungen, Drogenkriege und Ressourcenabbau in der Region. http://grenzueberschreitend.blogspot.com/

Ina Riaskov lebt und arbeitet in Mexiko als freischaffende Fotografin, Grafikdesignerin und Soziologin in und zu feministischen Bewegungen an der Schnittstelle zwischen Kunst und Aktivismus. https://www.flickr.com/photos/produccionesymilagros

viernes, 17 de abril de 2015

Medizinische Experimente der USA in Guatemala

Straßenszene im Zentrum Guatemala Stadts  

Gezielte Infizierung


Zu Beginn des Kalten Kriegs ließ die US-Regierung Menschenversuche in Guatemala durchführen. Gegen die daran beteiligte John Hopkins University wird nun geklagt.
von Kathrin Zeiske 

Mit den Worten »Der Zweck heiligt alle Mittel« verteidigte der Mediziner John Cutler ein Experiment, das er in den Jahren 1946 bis 1948 in Guatemala leitete. Der aufsteigende US-Forscher infizierte 1 308 Prostituierte, Häftlinge, Soldaten, Patienten psychiatrischer Anstalten und Kinder in katholischen Waisenhäusern ohne deren Wissen und Einverständnis mit damals noch nicht heilbaren Geschlechtskrankheiten. Initiiert und finanziert wurden die Menschenversuche vom US-Gesundheitsministerium.

Den guatemaltekischen Opfern wurden Erreger von Syphilis und Gonorrhöe unter die Haut, ins Rückenmark, in die Augen und auf die Schleimhäute vorsätzlich verletzter Genitalien gespritzt. Ministerium und Forscherteam hielten die »Studie« einvernehmlich im Verborgenen. Doch verlässliche Untersuchungsergebnisse blieben in Guatemala aus. Cutler wurde in die USA zurückberufen, wo er zum oberster Berater des Gesundheitsministeriums aufstieg und in den sechziger Jahren an der sogenannten Tuskegee-Studie beteiligt war: 400 an Syphilis erkrankten afroamerikanischen Männern wurde über Jahrzehnte kein Penizillin verabreichte. Beide Fälle verschwanden in den Archiven der Pittsburgh University, wo sie im Jahre 2010 zufällig von der Historikerin Susan Reverby entdeckt wurden.

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jueves, 2 de abril de 2015

Menschenrechtsfilmfestival im Exil

Regisseur Uli Stelzner mit Jungregisseurin Ana Maria Escobar und Jungregisseur Eric Spanky: © Kritisches Kino Zentralamerika- Menschenrechtsfilmfestival Guatemala im Exil 
Regisseur Uli Stelzner mit Jungregisseurin Ana Maria Escobar und Jungregisseur Eric Spanky:  
© Kritisches Kino Zentralamerika- Menschenrechtsfilmfestival Guatemala im Exil

Die Last des Friedens

Das Internationale Menschenrechtsfilmfestival "Erinnerung. Wahrheit. Gerechtigkeit" in Guatemala hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens zum wichtigsten zivilgesellschaftlichen Diskussionsforum im Land entwickelt. Dieses Jahr allerdings wird es "ins Exil" gehen, zunächst nach Berlin und dann in lateinamerika-nische Nachbarländer. Denn die Zensur und Selbstzensur guatemaltekischer Produktionen erreichten 2014 ein Ausmaß, das die Existenz des Festivals in Frage stellt.

Von Kathrin Zeiske

Comandante Tito steht inmitten von Leichen. Gelbstichige Filmbilder aus den 1980er Jahren zeigen niemand Geringeren als den heutigen guatemaltekischen Präsidenten Otto Pérez Molina inmitten von Indigenen, die von der Armee ermordet wurden. 6.000 Menschen sehen die in Guatemala bislang unbekannten Aufnahmen im Frühjahr 2010 im Nationalpalast, einer Festung mit blank gewienerten Mosaiken und pompösen Kronleuchtern im Innern. Dort, wo Diktator Efraín Ríos Montt fast drei Jahrzehnte zuvor die erste Pressekonferenz nach der Machtübernahme gab. Die Zeiten haben sich gewandelt - und sie wandeln sich doch nicht. Kurz vor Beginn des ersten Filmfestivals "Erinnerung. Wahrheit. Gerechtigkeit" gab es eine Bombendrohung. Und irgendjemand kappte den Strom.

Von Anfang an hatte das Menschenrechtsfestival keinen leichten Stand in einem Land, dem 36 Jahre Bürgerkriegsvergangenheit eisiges gesellschaftliches Schweigen auferlegt hatten. Doch es füllte die Stille mit einer Debatte - genau in den Jahren, die für die justizielle Vergangenheitsaufarbeitung maßgeblich werden sollten. Im Kinosaal trafen Regisseure, Akademiker, Unternehmer, Vertreter sozialer Bewegungen und ehemalige Guerillaangehörige auf die Nachkriegsgeneration, die die Konflikte der Vergangenheit bislang nur erahnt. Schauplatz des zivilgesellschaftlichen Austauschs war das alteingesessenen Kino Capitol in der Fußgängerzone von Guatemala-Stadt, in der abends und am Wochenende die Menschen flanieren. Der große Kinosaal 2 war dann zumeist bis auf den letzten Platz belegt.

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lunes, 23 de marzo de 2015

Spenden gesucht: Hilfe für junge Migrant_innen & Flüchtlinge


Unterstützung für die Straßenkinderherberge 
"Todo por Ellos“

Herberge und Suppenküche für Kinder und Jugendliche auf der Straße, in der Migration und auf der Flucht in der Grenzstadt Tapachula, Chiapas, Mexiko


Die Nichtregierungsorganisation „Todo por Ellos“ (Alles für sie) bietet mexikanischen und  mittelamerikanischen Kindern Unterkunft und Verpflegung, sowie rechtliche und psychologische Hilfe und Unterstützung, um das öffentliche Bildungssystem in Anspruch nehmen zu können.


Die Herberge erhält zur Zeit keine staatliche Unterstützung oder Gelder von internationalen Stiftungen. Ersteres mutmaßlich, da Herbergengründer Ramón Verdugo immer wieder erfolgreich die Verstrickung von Polizei und Stadtverwaltung in Ausbeutung und Kinderprostitution öffentlich macht. (Sieben Beamte konnten hinter Gitter gebracht werden; drei Hotels geschlossen werden.)

Deswegen hat Prediger Ramon Verdugo Repressionsversuche erlitten und Morddrohungen
erhalten; seine Tochter hat ein Attentat überlebt. Daneben lässt die tägliche Arbeit, die aktuell von
zwei Freiwilligen durchgeführt wird, schlichtweg keine Zeit für administrative Aufgaben und die
Erarbeitung von Projektanträgen.

Da die Herberg seit Beginn des Jahres nicht mehr Nahrungsmittelpakete des städtischen Sozialamts bezieht, werden dringend Spenden für die kommenden Monate benötigt, bis es wieder eine
konstante Unterstützung für die Herberge gibt.

Diese versorgen aktuell 29 Kinder mit drei Essen am Tag. Sieben von ihnen leben in der Herberge, sie sind unbegleitete Flüchtlinge oder kommen aus Familien mit Gewaltkontext. 22 leben auf der Straße und sind zumeist klebstoffabhängig, oder aber in sehr prekären Situationen, beispielsweise als Kinder von alleinerziehenden Müttern, die in der Prostitution arbeiten.

Um diese Unterstützung einen Monat lang aufrechthalten zu können, werden für den Einkauf von Grundnahrungsmitteln rund 7.700 Mexikanische Pesos, umgerechnet 455 Euro, benötigt.

Zu den täglichen Nahrungsmittelkosten kommen Stromkosten für die Herberge hinzu. Für das zweite Halbjahr 2014 betragen die Schulden 14.806 Mexikanische Pesos, umgerechnet rund 874 Euro.
 

Neben der finanziellen Unterstützung werden Freiwillige gesucht, die ein paar Wochen oder Monate das Herbergenteam unterstützen können.

Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf Facebook:
https://www.facebook.com/todoporellos.ac?fref=ts
 

Kontakt:
Mail: info@todoporellos.org.mx oder Telefon: (+52-1) 962 118 1337

 

Spenden:

Banküberweisung:
Scotiabank
Kontonummer: 09100280674
Inhaber: Todo por Ellos, A.C.
IBAN: 0441 3309 1002 8067 46
BIC: MBCOMXMM


Pay Pal:
info@todoporellos.org.mx

jueves, 12 de marzo de 2015

Ende des Friedenspaktes mit den Maras in El Salvador

FMLN-Fahne über dem Viertel Santa Cecilia, San Salvador

Experiment beendet

In El Salvador hat die Regierung die umstrittenen Friedensverhandlungen mit den kriminellen Jugendbanden, den maras, abgebrochen.
Von Kathrin Zeiske, San Salvador
 
»Mit dem Friedenspakt hatten lediglich die Mara-Bosse gute Konditionen
ausgehandelt«, konstatiert Mauricio Figueroa, Experte für Gangs in
Mittelamerika, zu den Verhandlungen zwischen den Maras und der Regierung
in El Salvador, die vor einigen Jahren begannen. »Sie konnten Besuch
empfangen und verkehren mit der Außenwelt, wie sie es für ihre
kriminellen Geschäfte benötigten.« Dafür hatten sie die Mordrate im März
2012 von einem Tag auf den anderen um zwei Drittel sinken lassen. Die
linke Regierung von Präsident Mauricio Funes (2009 bis 2014) versuchte
stets, ihre Rolle im Pakt mit den maras herunterzuspielen, erst das
investigative Nachrichtenmagazin El Faro brachte die
Friedensverhandlungen überhaupt an die Öffentlichkeit.
Funes’ Amtsnachfolger Salvador Sánchez Cerén, ebenfalls von der
ehemaligen Guerilla und heutigen Partei FMLN, hat die zögerliche
Regierungshaltung beendet und ist kurz vor den Bürgermeister- und
Abgeordnetenwahlen vom 1. März zur Zero tolerance-Politik zurückgekehrt.
Die maras demonstrierten noch zu Beginn des Jahres ihren Einfluss, indem
sie die Mordrate im Land auf Befehl erneut von 15 auf fünf Tote pro Tag
reduzierten. Doch die Regierung will nach langer Aussetzung endgültig
nicht mehr mit der Mafia verhandeln. Ende Februar verlegte sie die
Bandenchefs von »Mara Salvatrucha 13« und »Barrio 18« ins
Hochsicherheitsgefängnis Zacatecoluca, genannt »Zacatráz«.
 
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sábado, 21 de febrero de 2015

Drogen - Gesellschaft - Staat in Guatemala

Wahlkampfplakat des heutigen Präsidenten Otto Pérez Molina. Auf regionaler Ebene vertritt er die Legalisierung von Drogen; im eigenen Land setzt er auf Militarisierung.

 
Lukrativer RauschMit dem Drogenkrieg in Mexiko verschieben sich Routen und Präsenz internationaler Drogenkartelle nach Mittelamerika. Vor allen Dingen Guatemala konnte sich in den vergangenen Jahren den Ruf als »Narco-Staat« sichern.
Von Kathrin Zeiske, Guatemala Stadt
»Der Drogenhandel ist eigentlich eine Angelegenheit der Ladino-Bevölkerung, der Weißen«, konstatiert Amílcar Pop. Der Indigene ist ein bekannter Intellektueller, Rechtsanwalt und Politiker in Guatemala. Im Westen des Landes, an der Grenze zu Mexiko, sei allerdings nun auch die indigene Bevölkerungsmehrheit involviert, so Pop. Etwa in der subtropischen Bergregion im Departamento San Marcos. An den Hängen der Vulkane Tacaná und Tajumulco, nahe der mexikanischen Grenze, wird großflächig Schlafmohn angebaut. 
Es seien vom guatemaltekischen Staat weitgehend vergessene Gemeinden, die jetzt Drogenpflanzen anbauen und im Wohlstand leben, sagt Pop. In San Marcos leben 61 Prozent der knapp 900 000 Einwohner in extremer Armut. Bauernfamilien, die dort nicht mehr Kartoffeln, Bohnen und Mais, sondern die rote Mohnpflanze anbauen, haben ihr Einkommen verzehnfachen können.
»Was habt ihr eigentlich für ein Problem mit dem Drogenhandel?« habe ein
indigener Bürgermeister der Region Pop gefragt, um dann freigiebig zu
erläutern: »Wir bauen hier alle Drogen an, alle profitieren davon, alle
exportieren das Zeug, niemand konsumiert es. Es gibt festgelegte Preise,
die Mexikaner kommen, kaufen und ziehen von dannen.« 

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martes, 10 de febrero de 2015

Schwangerschaftsabbruch & Kriminalisierung von Frauen in El Salvador

Anzeige der Kampagne für "Die 17" auf der Buslinie 30B in San Salvador.

"Abwarten kann Leben kosten"

El Salvador hat eines der striktesten Abtreibungsgesetze weltweit. Sogar Frauen, die Fehl- und Frühgeburten erleiden, werden kriminalisiert. Für 17 von ihnen reichte die "Bürgerliche Vereinigung für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs" exemplarisch Begnadigungsgesuche ein. Kathrin Zeiske sprach mit einer Rechtsanwältin der inhaftierten Frauen, Daniela Ramos.

Seit Monaten steht eine Begnadigung der 17 Frauen aus. Was ist der aktuelle Stand?
Bisher befindet sich von den 17 Frauen nur Mirna wieder in Freiheit. Sie wurde nach über zwölf Jahren Haft wegen guter Führung entlassen. Zwar hatte der Oberste Gerichtshof in ihrem Fall positiv über eine Begnadigung entschieden, doch das Parlament, das diese annehmen und umsetzen muss, reagierte nicht. Die Abgeordneten erachteten es wohl nicht für wichtig, Mirna Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Die Kampagne für "Die 17" geht also trotzdem weiter?
Ja, denn in Mirnas Akte wird für immer "vorbestraft" stehen. Und sie wird für die Vormundschaft ihrer Tochter kämpfen müssen, die ihr entzogen wurde, als sie ins Gefängnis kam - wegen Mordversuch an ihrem Kind, so lautete damals die Anklage. Als "Bürgerliche Vereinigung" unterstützen wir sie juristisch und psychologisch. Denn alles, was Mirna durchgemacht hat, hat Spuren hinterlassen. Für niemanden ist es einfach, nach so langer Zeit aus dem Gefängnis zu kommen. Man muss sich neu zurechtzufinden und wieder ein Alltagsleben mit der Familie aufbauen. Wenigstens hat Mirna Arbeit.
Hätte der Oberste Gerichtshof nicht alle Begnadigungsgesuche bis Ende 2014 bearbeiten müssen?
Die gesetzlich vorgegebene Frist wurde nicht eingehalten. Gutachten der Gefängnisverwaltung über die gefangenen Frauen wurden erst Mitte November an das Parlament übergeben, das sie an den Obersten Gerichtshof weiterleitete. Angeblich ­sollen dem Parlament mittlerweile weitere Bescheide vom Gerichtshof vorliegen. Vermutlich handelt es sich bei den betreffenden Frauen zunächst um jene, deren Kinder die Frühgeburt überlebt haben, aufgrund derer ihre Mütter kriminalisiert wurden. Liegt eine vom Obersten Gericht positiv beschiedene Begnadigung einmal dem Parlament vor, muss dieses innerhalb von ein bis zwei Monaten reagieren. Doch bisher wurde kein einziger Fall der "17" auf die parlamentarische Agenda gesetzt.

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viernes, 23 de enero de 2015

Militarisierung von Grenzen - Vergleich EU-USA

Bis an die Zäune bewaffnet

Flüchtlinge abzuschrecken – dieses Ziel haben die Länder mit der Militarisierung ihrer Grenzen bisher nicht erreicht. Dafür sind Tausende auf dem Weg in ein vermeintlich sicheres Land gestorben. Wer verfolgt mit dieser Militarisierung welches Interesse, wer profitiert davon? Wie viele Menschen sind davon betroffen, und welche Folgen hat das für sie? Hintergründe am Beispiel von USA/Mexiko und Frontex.

Von Stefanie Sifft und Kathrin Zeiske

USA/ Mexiko
1. Wer will die Grenze dichtmachen und warum?
Die US-Regierung hat ihre eigene Südgrenze zu der am stärksten militarisierten Grenze der Welt ausgebaut. Das Nachbarland Mexiko – ein ehemals liberales Fluchtund Einwanderungsland – wurde gleichzeitig mit Geldern aus den USA zu einem Filter Richtung Norden aufgerüstet: Der Landweg durch das mexikanische Territorium verwandelte sich in eine der gefährlichsten Strecken, die Menschen ohne Papiere auf dieser Welt zurücklegen können. Polizeibeamte und Drogenkartelle nutzen die Migrant/innen auf dem Weg nach Norden gleichermaßen als Einkommensquelle. Dabei geht es den USA nicht darum, Migration zu stoppen. Die Einwanderung unter Lebensgefahr garantiert, dass es nur die ausdauerndsten, arbeitsfähigsten Menschen schaffen, die ohne Papiere gezwungen sind, unterhalb des Mindestlohnes zu arbeiten. Ein Gewinn für die US-amerikanische Wirtschaft, die in vielen Sektoren auf die Arbeit von Migrant /innen aus Mexiko und Mittelamerika angewiesen ist.

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