viernes, 28 de agosto de 2015

Entführungen von Migrant*innen in Mexiko - 5 Jahre nach San Fernando

Ein verlorener Schuh unweit des Grenzzaunes zwischen Mexiko und den USA, Ciudad Juárez

»Die Kartelle halten Sklaven«

In den letzten Augusttagen des Jahres 2010 gingen Meldungen über das Massaker von San Fernando in Tamaulipas um die Welt und machten das Ausmaß der Gewalt gegen Migranten in Mexiko deutlich. 72 Menschen aus Mittel- und Südamerika wurden vom Drogenkartell der Zetas ermordet. Fünf Jahre später gelten illegalisierte Migranten weiter als eine Haupteinnahmequelle des organisierten Verbrechens. In der Migrantenherberge von Saltillo, eine Tagesreise von der Grenze zu den USA entfernt, berichten Menschen aus den südlichen Nachbarländern täglich über das, was sie auf der Transitroute durch Mexiko erleben. Die Jungle World befragte den Leiter der Herberge, Alberto Xicoténcatl Carrasco, was sich an den Gewaltszenarien geändert hat.

Interview: Kathrin Zeiske


Werden fünf Jahre nach dem Massaker von San Fernando weiterhin Migranten in Mexiko entführt?
Allerdings, auch wenn die Drogenkartelle eine neue Praxis entwickelt haben. Entführungen finden heute nicht mehr auf den Güterzügen im Süden des Landes statt, die die Menschen für die klandestine Reise in Richtung Norden nutzen. Sie werden kurz vor dem Grenzübertritt in die USA gemacht und finden vor allem im Bundesstaat Tamaulipas an der Golfküste statt. Dort ist seit Beginn des sogenannten Drogenkriegs die Regierung de facto entmachtet. Das Golfkartell und die Zetas haben Städte und Regionen untereinander aufgeteilt und hier werden derzeit Migranten verschleppt.
Wie gehen diese Entführungen vonstatten?
Die Fälle, von denen uns Migranten erzählen, offenbaren ein eigenartiges Hybridmodell zwischen Erpressung und Serviceleistung. Die Familie wird angerufen und erpresst, nicht nur für die Freilassung, sondern auch gleich für den Grenzübertritt zu zahlen. Das bedeutet, dass Migranten nicht mehr frei entscheiden können, wer sie über die Grenze bringt. Vielmehr entscheiden die Kartelle, welche Gruppe sie in ihre Gewalt bringen.
Und wie viel kostet eine solche Freilassung inklusive Grenzübertritt?
Dafür müssen die Familien 5 000 bis 7 000 US-Dollar aufbringen. Normalerweise zahlt man für einen Grenzübertritt mit einem Schlepper 3 000 US-Dollar. Doch es gibt tatsächlich mittlerweile keine unabhängigen Schlepper mehr. Alle müssen Abgaben an eines der Kartelle zahlen und werden von ihnen kontrolliert, denn diese haben die gesamte Grenze zu den USA untereinander aufgeteilt.

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domingo, 9 de agosto de 2015

Frauenmorde mit System

Im mexikanischen Ciudad Juárez wurden erstmals drakonische Strafen gegen Frauenmörder verhängt. Die Verflechtung krimineller Strukturen in Polizei, Militär, Justiz und Politik vereitelte bislang die Aufklärung von Verbrechen gegen Frauen.

von Kathrin Zeiske

Der mexikanischen Installationskünstlerin Teresa Margolles zufolge ist Ciudad Juárez die Stadt der Arbeit. Ein modernes Metropolis, das nie stillstehe, denn zu jeder Uhrzeit sind ihre Bewohner und Bewohnerinnen emsig am Arbeiten. Die Nachtschichten in den Weltmarktfabriken wurden Frauen ab Anfang der neunziger Jahre zum Verhängnis, als die erste Welle von Frauenmorden über die Grenzstadt hereinbrach. Ein brutaler Backlash beantwortete die neue Selbständigkeit von Frauen als Geldverdienerinnen.

Ausgerechnet das Streben nach Arbeit kostete junge Frauen auch in den vergangenen Jahren das Leben. Falsche Jobangebote lockten sie in die Fänge von Menschenhandelsringen, die sie mitten im Zentrum der Stadt in ihre Gewalt brachten. Ihre Körper wurden wie Müll in ein ausgedörrtes Flussbett im Juárez-Tal außerhalb der Stadt geworfen. Bei einem Polizeieinsatz im Jahre 2012 wurden nur halbherzig mehrere Körper geborgen. Die Zuordnung von DNA-Proben erfolgte erst zwei Jahre später. Im Jahr 2013 fanden angereiste Mütter weitere Knochenreste am Fundort und erreichten einen Polizeigroßeinsatz.

Vorige Woche verkündete ein Gericht des Bundesstaats Chihuahua ein Urteil von jeweils 697 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von umgerechnet 47 000 Dollar für alle fünf Angeklagten. Sie hatten elf junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren in den Jahren 2009 bis 2011 entführt und schließlich in die Wüste verschleppt und umgebracht. Neben ihren Opfern Jazmín Salazar Ponce, Lizbeth Avilés García, Mónica Liliana Delgado Castillo, Beatriz Alejandra Hernández Trejo, Jessica Terrazas Ortega, Deysi Ramírez Muñoz, María Guadalupe Pérez Montes, Perla Ivonne Aguirre González, Idalí Juache Laguna, Jesica Leticia Peña García und Andrea Guerrero Venzor wurden die Namen von 20 weiteren vermissten Frauen während der Verhandlung benannt.

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