martes, 29 de diciembre de 2015

Leben an der Grenze - Ciudad Juárez und El Paso

Jenseits des Tortillavorhangs

Ciudad Juárez und El Paso trennt die hochmilitarisierte Grenze zwischen Mexiko und den USA. Die beiden Städte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verbindet jedoch eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsamer Alltag. Für viele Menschen aus Mexiko und Mittelamerika stellt die Wirtschaftsmetropole Ciudad Juárez ein Tor in die USA dar. Täglich passieren Waren, Geld, Drogen, Waffen, US-amerikanische Staatsbürger und auch die Auftragsmörder der Drogenkartelle die Grenze weitgehend unkontrolliert. Für diejenigen Bewohner von Ciudad Juárez, die ein US-Visum besitzen und die Familie in den USA haben, stehen einer Fahrt nach El Paso lediglich die Wartezeiten auf den Grenzbrücken im Wege.

von Kathrin Zeiske


Es gibt sie wirklich. Und an diesem Abend, als wir auf dem Weg von El Paso zurück nach Ciudad Juárez waren, wurden sie sichtbar. Es waren fünf schwarzgekleidete Gestalten, die aus dem betoneingefassten Kanal des Río Bravo kamen und geduckt in Richtung Ufer, Richtung USA liefen. Vom höchsten Punkt der Grenzbrücke kann man durch den Maschendraht auf die Hügellandschaft rund um El Paso blicken. Dorthin, wo ein Stern aus Lichtern von den Felsen her nach Mexiko her­überleuchtet. Dutzende von Menschen versuchen täglich hier, im urbanen Ballungsgebiet, oder aber weiter draußen, in der Wüste, die angeblich militarisierteste Grenze der Welt zu überqueren. Klandestin und auf der Suche nach einem besseren Leben, dem nie verblassenden American Dream folgend. Dort, wo die fünf Menschen wohl durch ein Loch im ersten Grenzzaun schlüpften, waren sie nur wenige Meter von einem der weiß-olivfarbenen Jeeps der U.S. Border Patrol entfernt. Doch Fahrer und Beifahrer saßen mit dem Rücken zu ihnen und sahen sie nicht.

Die letzten Häuser von Ciudad Juárez im Stadtteil Anapra liegen direkt am Grenzzaun zu den USA
Die letzten Häuser von Ciudad Juárez im Stadtteil Anapra liegen direkt am Grenzzaun zu den USA (Foto: Ina Riaskov)
»Der Zaun dient nur dazu, diese Leute zu verlangsamen; stoppen kann er sie nicht«, gibt U.S. Border Patrol Officer George Gómez freimütig zu, als wir am Tag darauf auf die andere Seite der Grenze zurückkehren, um das Border Patrol Museum zu besuchen. In einer Zementfestung weit außerhalb von El Paso birgt das privat geführte Museum schnittige Sportwagen, Quads und Hubschrauber der Grenzpolizei aus vergangenen Jahrzehnten neben Filmplakaten von »Hans, dem Grenzschutzhund« sowie selbstgebauten Segelflugzeugen, Schuhen, deren Sohlen Kuhhufe im Wüstensand imitieren, und meterlangen Strickleitern. Die Mexikaner »probierten einfach alles aus«, um in die USA zu gelangen, berichtet der Presse- und Öffentlichkeitschef der U.S. Border Patrol im Sektor El Paso. »Auch an besonderen Tagen wie an Weihnachten oder während der Superbowl versuchen viele über die Grenze zu gelangen, denn sie glauben, dass diese dann weniger bewacht ist.« El Paso ist die Wiege der im Jahr 1924 gegründeten Border Patrol. Die US-amerikanischen Bürger, die mit eigenem Pferd und Gewehr patroullierten, sollten an der Passierbarkeit der imaginären Grenzlinie zwischen Grasbüscheln und Sand auf lange Zeit nichts ändern. Die Abschottung begann erst in den achtziger Jahren und wurde mit dem 11. September 2011 zur nationalen Aufgabe erklärt.


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sábado, 5 de diciembre de 2015

Frauenmorde im Bundesstaat Mexiko

"Selbstbewusstsein." Schülerinnen in Ecatepec.: © Rodrigo Jardón
Foto: Rodrigo Jardón

Stadt der verschwundenen Frauen

Rund um Mexiko-Stadt werden seit Jahren immer mehr Frauen ermordet. Fast alle Verbrechen bleiben ungesühnt, weil korrupte Beamte und Drogenkartelle die Aufklärung verhindern. Doch die Bewohner der verarmten Stadtteile ­wehren sich nun selbst gegen die Gewalt und setzen die Politik unter Druck.

Von Kathrin Zeiske

Irinea Buendía erhielt den Anruf am frühen Morgen. "Deine Tochter hat sich erhängt", sagte ihr Schwiegersohn lapidar. Den Körper ihrer Tochter Mariana fand sie mit blauen Flecken und Schrammen übersät auf dem Bett liegen. Viele weitere Ungereimtheiten am Tatort wiesen auf einen Mord hin. Die Polizei ­jedoch übernahm die Version des Ehemannes von einem Selbstmord. Dass dieser, ebenfalls ein Polizist, immer wieder geäußert hatte, dass er seine Frau töten werde, interessierte die Beamten nicht. Ebenso wenig, dass Mariana keineswegs depressiv war, sondern kurz vor ihrem Tod angekündigt hatte, die gewalttätige Beziehung zu beenden.

Mariana Lima lächelt von jedem Foto herab, das im verwinkelten Haus ihrer Eltern in Nezahualcóyotl hängt. Nezahualcóyotl ist eine der riesigen Gemeinden, die in den vergangenen Jahrzehnten an den Hügeln rings um Mexiko-Stadt entstanden sind. Vor allem Menschen vom Land zogen hierher, um ein neues Leben zu beginnen. 16 Millionen Einwohner zählt der Bundesstaat Mexiko mittlerweile, der die Hauptstadt mit fast 21 Millionen Bewohnern hufeisenförmig umfasst.

Nezahualcóyotl, Chimalhuacán, Ecatepec, Tlalnepantla, Chalco - dichtbesiedelte Ballungszentren voller Menschen, von denen viele nahe am Existenzminimum leben. Sie kaufen in der Hauptstadt chinesische Billigprodukte wie Babykleidung oder Plastikmöbel ein, um die Waren dann in der Peripherie weiterzuverkaufen: Auch Mariana Limas Eltern haben ihr Leben lang gearbeitet, um ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen. Ihr Haus bauten sie in Etappen. Sobald Geld vorhanden war, kam ein weiteres Zimmer hinzu. Kürzlich wurde bei ihnen eingebrochen. Ihren ehemaligen Schwiegersohn sehen sie derweil in der Nachbarschaft patrouillieren.

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