martes, 10 de mayo de 2016

Nachkriegszeit in Ciudad Juarez

Foto: Ina Riaskov

»Ein Krieg vergeht nicht wie eine Grippe«

TEXT: KATHRIN ZEISKE, FOTOS: INA RIASKOV
Vor einigen Jahren galt Ciudad Juárez als »gefährlichste Stadt der Welt«. Die Kämpfe zwischen Juárez- und Sinaloakartell um die Vorherrschaft an der Grenze zu den USA sind ausgefochten. Die Regierung hat die militärische Besatzung abgezogen. Der Alltag ist zurückgekehrt. Doch die Bewohner von 100.000 Häusern sind es nicht, und fast 14.000 Tote sind in den Familien zu beklagen. So bleiben einige Narben des »Drogenkrieges« sichtbar und andere im Verborgenen.


Von Kathrin Zeiske
 
 Der Süden der Stadt sei die Zukunft, hieß es. Migranten aus ganz Mexiko bezogen winzige Reihenhäuser neben modernen Weltmarktfabriken. An einer Hauptstraße eröhnete eine Familie einen Lebensmittelladen. Wer hätte den kommenden Krieg voraussagen können? Als das Heer in die Stadt zog, als Firmen ihre Tore schlossen, als Hunderttausende die Stadt verließen aus Angst vor den Schusswechseln, den Auftragsmorden und den Entführungen, hielten sie durch. Über Monate zahlten sie Schutzgelder. Bis sie nichts mehr hatten. Bis die Drohungen eintrafen. Bis ihre Tochter, eine Mittelstufenschülerin in weißblauer Uniform, vor der Haustür umgebracht wurde. Da packte die Familie ihre Sachen und floh. Nur die Nachbarn erzählen noch davon. 

Eine, die zuhört, ist die renommierte Installationskünstlerin Teresa Margolles. »Was bringt eine Frau dazu, zu gehen? Das Versprechen aufzugeben, das ein solches Haus beinhaltet – von Glück und einem guten Leben.« Sie ließ jenes Haus komplett abtragen. Sein Schutt wandert durch die Ausstellungshallen der Welt, um zum Nachdenken über Gewalt, Flucht und ebendiese Fragen anzuregen. Und Margolles hat ihr eigenes Versprechen eingelöst und auf seinen Grundmauern das Gemeindezentrum »La Promesa« für Frauen errichten lassen. Für diese stellen Kunsttherapie und Gesprächsrunden einen Ausgleich zur Akkordarbeit in den Maquilas dar und geben Möglichkeit, Gewalterlebnisse aufzuarbeiten.
  
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lunes, 9 de mayo de 2016

Folter in Ciudad Juarez

Foto: Ina Riaskov

 "Es bleibt viel zu tun"


Das Menschenrechtszentrum Paso del Norte macht sich in Ciudad Juárez für die Überlebenden von Folter und staatlicher Repression stark. Padre Óscar Enríquez Pérez berichtet von den Herausforderungen der Partnerorganisation von Adveniat auf der Suche nach Gerechtigkeit. 


Interview: Kathrin Zeiske

Padre Óscar, als die Menschenrechte in Juárez außer Kraft gesetzt wurden, hielt »Paso del Norte« den Respekt für sie aufrecht ... 
Mit dem Eintreffen des Militärs in Ciudad Juárez nahmen extralegale Festnahmen, Hinrichtungen und Folter dramatisch zu. Gleichzeitig wurden die Opfer pauschal als Drogenhändler stigmatisiert. Wir begannen, diesen Menschen juristisch und psychologisch beizustehen. Ein beispielhafter Fall, den das Menschenrechtszentrum übernahm, ist der von fünf jungen Männern, die angeblich im Jahr 2010 für das Juárezkartell eine Autobombe gelegt haben sollen. Bei ihrer Festnahme wie auch nach der Verlegung in verschiedene Gefängnisse wurden sie gefoltert. Eine traurige Erkenntnis aus unserer Arbeit ist, dass dies eine alltägliche Praxis ist, ausgeführt von Funktionären, die Menschen so massiv wie gezielt Schaden zufügen und Schuldige fabrizieren. Erst nachdem wir zweimal anhand des Istanbul-Protokolls (ein Leitfaden für die Untersuchung von Fällen mutmaßlicher Folter) bewiesen haben, dass diese Männer ihre Aussage unter Folter machten, wurden sie nach über drei Jahren Haft entlassen. Sie gelten weiterhin als Staatsfeinde. In unser Büro drang die Bundespolizei ein, um uns einzuschüchtern. Im ganzen Menschenrechtszentrum sind Kameras installiert.

Wie gefährdet sind Sie und Ihre Mitarbeiter in ihrer Arbeit? 
Wenn Opfer von staatlichen Institutionen bedroht werden, werden wir Menschenrechtsverteidiger zum einzigen Schutz. Aber wir müssen auch unsere Sicherheit im Auge haben. Und bei allem Schlimmen, was wir von Überlebenden hören, auf die eigene Seele achten. Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, Auszeiten zu nehmen, und bekommen Yogakurse und ähnliche Freizeitangebote finanziert.

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