martes, 5 de diciembre de 2017

Verschleppungen durch das Militär

Die drei Schwestern Citlali, Deisy und Paola Alvarado sitzen lächelnd  nebeneinander an einem Tisch, zwei von ihnen sind eineiige Zwillinge

Mama und das Militär

In Mexiko haben Drogenkartelle, Polizei und Armee Zehntausende Menschen verschleppt – auch die Mutter der drei Schwestern Alvarado. Vom Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof in Costa Rica erhoffen sie sich nun Gerechtigkeit. 

Von Kathrin Zeiske (Text) und Carolina Rosas Heimpel (Fotos)

Es war zwischen Weihnachten und Silvester, als die Soldaten Nitza Alvarado mitnahmen. Acht Jahre ist das her. Damals waren ihre Töchter Citlali, Paola und Deisy fast noch Kinder. Heute sind sie junge Frauen auf der Suche nach der Wahrheit. Die Alvarado-Schwestern beten dafür, dass ihre Mutter am Leben sein möge – auch wenn die Situation in Mexiko ihnen keine große Hoffnung erlaubt.
Drei akkurat geschminkte junge Frauen mit diskreten Zahnspangen und hüftlangen braunen Haaren sitzen auf dem Sofa. Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich, Citlali und Paola sind sogar Zwillinge. "Nicht einmal unsere Mutter konnte uns auseinanderhalten", sagen sie. Und lächeln stolz – wie immer, wenn sie ihre Mutter erwähnen. Die drei sind selbstbewusst, aufgeweckt und politisch engagiert. Jetzt fiebern sie dem Jahres­ende entgegen, denn dann soll der Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof über ihren Fall urteilen. Nach all den Jahren des Stillstands erwarten die Alvarados von diesem Gericht endlich Gerechtigkeit.

Bei der Klage geht es nicht nur um das gewaltsame Verschwinden ihrer Mutter Nitza, ihrer Cousine Rocío und ihres ­Patenonkels José Ángel durch das Militär, sondern auch um die erzwungene Flucht eines Großteils der Familie. "Weil wir die Verschleppung unserer Angehörigen öffentlich gemacht haben und nicht müde geworden sind, vom Staat eine Aufklärung zu verlangen, mussten wir fliehen", sagt Citlali. Nach Ansicht von Prozessbeobachtern spricht die Beweislage eindeutig gegen den mexikanischen Staat. Dieser kann nur noch technische Einwände anführen, um einen Schuldspruch hinauszuzögern. Es wäre das erste Urteil gegen Mexiko wegen gewaltsamer Verschleppung durch die Armee.

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jueves, 30 de noviembre de 2017

Wahlen in Honduras

Graffiti in Tegucigalpa, das die politischen Interessen der Regierung Hernández hinter dem Mord an der Umweltaktivistin Berta Cáceres anprangert 
Sieg der Resignation


Bei den am Sonntag in Honduras stattfindenden Präsidentschafts­wahlen scheint der Sieger schon festzustehen: der autokratische Amtsinhaber Juan Orlando Hernández.


Von Kathrin Zeiske


»In Honduras haben wir de facto keine freien Wahlen«, sagt Allan Fajardo. Sämtliche politischen Instanzen, die diese garantieren könnten, seien auf die Politik der Nationalen Partei von Honduras (PNH) eingeschworen. Der Soziologieprofessor mit Hornbrille und Ledermütze auf dem kahlen Kopf lacht spitzbübisch. »Das ist, als würde Bayern München alle Schiedsrichter der Saison stellen.« Am kommenden Sonntag finden die Präsidentschaftswahlen statt, der Amtsinhaber Juan Orlando Hernández von der PNH ist so gut wie konkurrenzlos.

Fajardo, einst politischer Berater der Regierung Manuel Zelayas, gegen die 2009 geputscht wurde, kennt die gängigen Wahlbetrugsstrategien in- und auswendig: die Umschichtung von Wählern auf Nachbarbezirke, um ungewollte Mehrheiten zu verhindern; der Raub von Wahlausweisen vor den Wahlen; das ratón loco (verrückte Maus) genannte Spiel, bei dem Wahlberechtigte erst im Wahllokal erfahren, dass sie nicht dort, sondern woanders registriert sind, etwa auf einer Insel in der Karibik oder in einem entfernten Bergdorf. »Schließlich ist auch der Kauf von Stimmen gerade in der armen Bevölkerung sehr verbreitet, für die 500 Lempiras, umgerechnet 25 US-Dollar, viel Geld sein kann«, so der Soziologe. Vor allem in Grenzgebieten werden Menschen aus den Nachbarländern nach Honduras geholt, um mit gefälschten Ausweisen wählen zu gehen. Der kolumbianische Hacker Andrés Sepúlveda berichtete 2016 aus dem Gefängnis heraus über die Beteiligung von Hackern am Wahlkampf in Honduras.

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miércoles, 1 de noviembre de 2017

Ni una menos - Bewegung gegen Frauenmorde

Nicht eine mehr, Grafitti gegen Frauenmorde in Ciudad Juárez

 

»Wir sticken Frauenmorde«

Mexiko: Mit schillernden Kampagnen erinnern Aktivistinnen an die Ermordeten und nehmen den Staat in die Pflicht

Von Kathrin Zeiske

»Was sticken Sie denn da?«, fragt immer jemand. Minerva Valenzuela erzählt lächelnd von der Kampagne »Bordamos Femicidios«, die für eine Erinnerungsarbeit von Frau zu Frau steht. »Wir sticken Femizide«, erklärt Valenzuela, »die Idee ist, dass Frauen etwas Lebenszeit einer ermordeten Frau widmen und deren Fall auf ein Tuch sticken.« Über 500 Stickerinnen sind es heute, die sich auf der Straße und über Facebook gefunden haben. Gestickt wird aus einer sehr persönlichen Sicht.

Wenn hunderte Tücher im Wind flattern, erregt dies Aufmerksamkeit und die mörderische Gewalt gegen Frauen in Mexiko wird sichtbar: in der Bank, an der Bushaltestelle oder vor Regierungsgebäuden. »Bordamos Femicidios« verbreitet den tagtäglichen Femizid auch in den sozialen Medien. Eine wichtige Aufgabe, denn sensationslüsterne Pressemeldungen machen Frauen immer wieder selbst für die Gewalt gegen sie verantwortlich. »Wir versuchen, uns nicht paralysieren zu lassen«, so Minerva Valenzuela. »Wir wollen aktiv und solidarisch bleiben.«

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jueves, 5 de octubre de 2017

Frauenmorde im Bundesstaat Mexiko

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Foto: Ina Riaskov, Demonstration gegen Frauenmorde im Bundesstaat Mexiko

Vom Maisfeld zur Todeszone

Nirgendwo in Mexiko gibt es so viele Fälle von Gewalt und Morden an Frauen und Mädchen wie im Bundesstaat México. Machismo und Misogynie reichen hier von der Straße bis ins Staatsamt.

Von Kathrin Zeiske

Die Seilbahn zwischen Santa Clara und La Cañada führt über Hügel voller Häuser, dicht befahrene Ausfallstraßen und dunkle Abwässerkanäle. Alfredo del Mazo Maza lächelt in einer der Gondeln sein strahlendstes Wahlkampflächeln für die Facebook-Liveübertragung. Es ist Wahlkampf im Mai im Bundesstaat México. Graumelierte Haare, blasser Teint und ebenmäßige Gesichtszüge – wie viele aufstrebende Politiker der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) sieht del Mazo aus wie ein Telenovela-Star. Mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto hat er vieles gemein: die Verwandtschaft, die Zugehörigkeit zu den obersten Machtzirkeln der ewigen Regierungspartei PRI und bald schon den Gouverneursposten des stimmenstärksten Bundesstaates des Landes.

Am 16. September trat del Mazo sein Amt als Gouverneur an. Sein Wahlsieg war so knapp wie umstritten. Zum ersten Mal musste die PRI in ihrer Hochburg und Kaderschmiede um die Macht bangen. Das liegt auch an der Empörung über Frauenmorde und die damit zusammenhängende Korruption und Straflosigkeit. Denn als Gouverneur hat del Mazo auch die Verantwortung für die immer stärkere Verbreitung eines tödlichen Phänomens: des Femizids.

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sábado, 15 de julio de 2017

Frauenmorde in Honduras

Frauenorganisationen demonstrieren in Tegucigalpa

 

Tödlicher Machismo

In Honduras haben zahlreiche Frauengruppen gegen die vielen Morde an Frauen protestiert. Ursachen sind Machismo und Bandengewalt, die Täter gehen fast immer straffrei aus.

Von Kathrin Zeiske

Jensy wollte ihren 26. Geburtstag feiern und endete gesteinigt auf einem Friedhof in Tegucigalpa. Milenas Kinder hörten die Schüsse vor dem Haus, ohne zu ahnen, dass diese ihrer Mutter galten. Die 19jährige Estefania wurde von ihrem Freund erschossen. Die Ingenieursstudentin Mónica wurde vor den Augen ihrer vierjährigen Tochter von ihrem Mann mit einem Hammer erschlagen. In San Pedro Sula wurde eine geköpfte Mädchenleiche auf einem Schulgelände gefunden. Heidy überlebte die Attacke ihres Ehemanns mit einer Machete schwer verletzt, sie verlor den rechten Fuß.

Das ist eine wahllose Aufzählung oft tödlich endender mysogener Gewalt­taten in Honduras. Dagegen protestierten am 4. Juli 20 Frauenorganisationen vor dem Regierungssitz in der Hauptstadt Tegucigalpa. Allein in den vorangegangenen zehn Tagen waren 18 Frauen getötet worden. Bei 463 Frauenmorden im vergangenen Jahr wurden in nur 15 Fällen Untersuchungen ein­geleitet. Während Gewaltverbrechen im Allgemeinen seit Beginn dieses Jahres nach Regierungsangaben um 22 Prozent zurückgegangen sind, steigt die Zahl der Femizide erneut an. Organisierte Kriminalität wird bekämpft, während sexuelle und häusliche Gewalt, die Frauen betrifft, ignoriert wird. »In Honduras eine Frau zu sein, ist ein ständiges Risiko«, sagte Sara Tomé vom Zentrum für Frauenstudien (CEM) der BBC.

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sábado, 1 de julio de 2017

Abschiebungen aus den USA

Grenzanlagen zwischen Ciudad Juárez und El Paso

USA: »Sie behandeln dich wie Dreck«


Die Haftbedingungen für illegalisierte Migranten sind gleichbleibend schlecht, die Haftdauer länger denn je

Von Kathrin Zeiske

Antonio Ortiz* sieht müde aus. Er wählt die einzige Handynummer, die er auswendig weiß: die seines Ältesten. »Alles in Ordnung, mein Sohn«, spricht Antonio in den Hörer. »Sie haben mich abgeschoben. Ich nehme den nächsten Bus nach Hause. Sag deiner Mutter und deinen Schwestern Bescheid.« Das erste Lebenszeichen nach eineinhalb Monaten. So lange saß er in Abschiebehaft. »Sie behandeln dich dort wie Dreck, schlimmer als einen Kriminellen.« In jeder Geste des Wachpersonals liege Verachtung. Nicht einmal die Tiefkühlkost, die sie als Essen an die Festgenommenen austeilen, würde warm gemacht. Oft sei das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. »Du sollst ja nicht auf die Idee kommen, noch mal zurückzukommen.«

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viernes, 26 de mayo de 2017

Arbeitskämpfe in den Maquilas von Ciudad Juarez

Maquilas in Juárez vom Flugzeug aus gesehen

Global Player in Mexikos Wüstensand

In der Boomtown Ciudad Juárez gelten Arbeitsrechte nicht viel. Streiks und Organisierungsversuche gibt es dennoch

Von Kathrin Zeiske
 
Gregoria »Goya« Medina stammt aus einem kleinen Dorf in Durango. Ihre Eltern zogen sie mit Eselsmilch auf. Als sie vier war, ging die Familie nach Ciudad Juárez, in eine staubige Wüstenmetropole an der US-Grenze mit Arbeit für Zugezogene aus dem ganzen Land. Mit 14 Jahren gab Goya an, älter zu sein, um auch in der Maquila, wie sie hier die Weltmarktfabriken nennen, arbeiten zu können. Dort, wo alle arbeiten. Heute, nach zwei Dekaden am Fließband und mittlerweile 13 Jahren in der gleichen Firma, am gleichen Arbeitsplatz Tintenpatronen befüllend für den US-amerikanischen Druckerhersteller Lexmark, wurde Goya entlassen. Sie hatte für sechs Pesos mehr Lohn am Tag gestreikt, umgerechnet sind das 30 Eurocent.

Streiks sind keine Seltenheit in den Maquilas von Ciudad Juárez. Doch Vorarbeiter und Personalmanager reagieren schnell und konkret. Mit sofortigen Entlassungen, mit Isolierung am Arbeitsplatz, mit Drohungen und Einschüchterungen. Selten kann ein Streik so lang aufrecht erhalten werden wie im letzten Jahr gegen die Unternehmen Lexmark, Foxconn und Eaton. Selten bewilligen die multinationalen Firmen minimale Lohnerhöhung. Klagen müssen schon massiv sein, damit Abfindungen gezahlt werden. Die Gründung von Gewerkschaften, die sich von gelben Gewerkschaften durch eine tatsächliche Interessenvertretung der Arbeitenden unterscheiden, werden durch bürokratische Hürden gekonnt verhindert.

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viernes, 12 de mayo de 2017

Mexikanische Arbeitsmigration: Ciudad Juárez - El Paso

 
Schlechte Literatur im Border Patrol-Museum von El Paso

Auf der falschen Seite

 

US-Präsident Donald Trump will seine Mauer zu Mexiko als Erstes zwischen Ciudad Juárez und El Paso hochziehen. Da steht aber schon eine. Für die Grenzstädte ist die Arbeitsmigration aus Mexiko in die USA und auch deren Kontrolle Teil ihrer Geschichte. Die geplante Verschärfung der Grenzkontrollen erzeugt dennoch Unsicherheit. 


Von Kathrin Zeiske


Im Westen von El Paso und Ciudad Juárez, dort wo auf texanischer Seite der Sunland Park und auf chihuahuensischer Seite das Viertel Anapra liegt, ersetzten bereits Wochen vor Donald Trumps Amtsantritt gigantische rostbraune Stelen den Jahrzehnte alten Maschendrahtzaun. Eine Handvoll Halbstarker streift auf mexikanischer Seite an der Grenze entlang, auf einem schlammigen Pfad zwischen Müll und Gestrüpp. Eine Frau ruft in plötzlicher Panik einen kleinen Hund zurück, der neugierig zwischen den Stelen hindurch in die USA späht. Auf der anderen Seite sind Bauarbeiter mit neon­orangen Sicherheitshelmen mit der Grenzsicherung beschäftigt und bedienen schweres Gerät.

Anapra, ein Randviertel von Ciudad Juárez, das sich in die Wüste frisst und dessen Bewohnerinnen und Bewohner bis auf 50 Meter an die Grenze zu den USA herangebaut haben, ist stadtbekannt für seine coyotes, für Schleuser, die Menschen auf die andere Seite bringen. Statistisch gesehen sind das jedoch nicht viele. Andere Orte entlang der 3 144 Kilometer langen Grenze zwischen Mexiko und den USA sind weitaus bedeutender für den klandestinen Grenzübertritt. Doch seit zwei Jahren ist Anapra im Blick von dubiosen konservativen US-Internetportalen wie Judicial Watch. Dass von Anapra aus Anhänger des »Islamischen Staats« (IS) Bombenangriffe auf die benachbarte Armeebasis Fort Bliss in El Paso planen, wie diese schreiben, wurde von den US-Behörden nie bestätigt.

Eine Vermutung, die lokale Akademiker schmunzeln lässt. »Anapra hat viele andere Probleme, aber der IS ist dort nicht zu finden«, sagt Josiah Heyman vom Zentrum für Interamerikanische und Grenzstudien an der Universität von Texas in El Paso (UTEP). Das Viertel gilt als einer der ärmsten Stadtteile von Juárez. Staubpisten ersetzen Straßen und es gibt erst seit wenigen Jahren Wasser- und Stromanschluss. Fast alle, die dort leben, arbeiten in den maquilas, den exportorientierten Fabriken im Süden der Stadt. Die Präsenz der »Aztecas«, einer alteingesessenen Bande, die dem Juárez-Kartell untersteht, ist unumstritten.

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domingo, 16 de abril de 2017

martes, 28 de marzo de 2017

Zivile Suche nach verschwundenen Frauen aus Ciudad Juárez

 
ForensikerInnen sichern von Familienangehörigen gefundene Knochen im Juáreztal

Suche nach Verschwundenen im Juareztal

 

Text und Bildergalerie von Kathrin Zeiske

 

 

Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte erstmals in den 1990er Jahren durch Frauenmorde eine traurige Berühmtheit. Vor ein paar Jahren stand der Maquila-Boomtown als "gefährlichste Stadt der Welt" im Fokus der Medien (2008-2012). Der Femizid nahm in Zeiten der militärischen Besetzung und der Kampf der Kartelle um die Stadt noch zu. Heute ist die Gewalt in der Stadt enorm zurückgegangen und die Menschen sind in die öffentlichen Räume zurückgekehrt.

Doch außerhalb der Stadt ist das Juáreztal weiterhin fest in Hand des Juarezkartells und seiner die Polizei infiltrierenden Unterorganisation La Linea. Für zivilgesellschaftliche Organisationen ist klar, dass es hier geheime Massengräber aus den Zeiten der Militärbesetzung gibt. Gerichtlich bewiesen ist, dass Frauen und Mädchen, die in den Jahren 2010 und 2011 aus dem Zentrum entführt wurden, hier umgebracht wurden.

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sábado, 25 de marzo de 2017

Massengräberfund in Veracruz - Mexiko

Ein Grab, wie es über 30.000 gewaltsam Verschwundene in Mexiko nicht haben. 


Hügel des Todes

Im mexikanischen Bundesstaat Veracruz haben Angehörige gewaltsam Verschleppter 125 Massengräber gefunden. Sie gelten als Vermächtnis des mafiösen ehemaligen Gouverneurs Javier Duarte und offenbaren einmal mehr die Abwesenheit eines Rechtsstaats in Mexiko.


von Kathrin Zeiske

 

Wenn eine Mutter über Jahre keine Spur von ihrem verschleppten Sohn hat, kann eine Ortsskizze mit Markierungen ein Geschenk des Himmels sein – selbst wenn es direkt aus der Hölle kommt. Eine solche Karte wurde dem Angehörigenkollektiv Solecito im Mai vergangenen Jahres von Kartellmitgliedern in die Hände gespielt. Die Kreuze auf dem Papier stehen für 125 Massengräber auf einem Gelände nördlich der Hafenstadt Veracruz, bekannt als Colinas de Santa Fé (Hügel von Santa Fé). Begleitet von der Staatsanwaltschaft hat das Kollektiv dort seit August 253 Leichen und fast 10 000 Knochen sichergestellt.

Staatsanwalt Jorge Winckler gab vor der Presse an, Veracruz sei für ihn »ein einziges gigantisches Massengrab« und bei der Ansammlung menschlicher Überreste in Colinas de Santa Fé handele es sich um »vielleicht das größte Massengrab Mexikos«. Die Zahl der gefundenen Leichen übersteige die Kapazitäten der lokalen Forensiker und Leichenschauhäuser, so dass einige Gräber noch gar nicht ausgehoben wurden. Winckler zufolge habe die Regierung des ehemaligen Gouverneurs Javier Duarte im Bundesstaat Veracruz die Familienangehörigen von Verschwundenen systematisch hinters Licht geführt; ihnen entnommene DNA-Proben seien nicht zur Identifizierung von Toten verwendet worden.

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